Come-Back der Automobilbauer?

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In Zusammenhang mit dem aktuell stattfindenden Klimagipfel in Bonn und der fortschreitenden Klimaerwärmung mag der Titel dieses Artikels irritierend klingen. Tatsache ist, dass das Festhalten am Klimaziel von Paris auf absehbare Zeit das Ende des Verbrennungsmotors bringen wird, aber die Elektrifizierung der (Auto-)Mobilität auch Opportunitäten für neue Technologien und Dienstleistungen birgt.

Automobilbranche vor Herausforderungen

Das 2-Grad-Klimaziel und die damit verbundene Reduktion des CO2-Ausstosses betrifft die einzelnen Industrien mit unterschiedlicher Relevanz. Die Automobilbranche kämpft seit Jahren mit strikteren Abgasvorschriften und steigenden Forschungs- und Entwicklungskosten. Dabei scheint das Ende 2015 in Paris verabschiedete Klimaziel dem Automobilsektor das Leben nochmals schwerer gemacht zu haben. Denn seit 2016 vermochten sich die Automobilaktien, verglichen mit dem Weltaktienmarkt, nur unterdurchschnittlich zu entwickeln. Geprägt von der Dieselproblematik und hohen Entwicklungskosten für die Elektrifizierung der zukünftigen Fahrzeuge, konnten die Gewinnausweise der Automobilbauer die Aktionäre nicht wirklich begeistern. Verstärkt wurde die Problematik durch den Dieselskandal, der die Konsumenten noch mehr sensibilisierte. Die stetig sinkenden Verkaufszahlen bei Diesel-Fahrzeugen setzen ein grosses Fragezeichen bezüglich der Zukunft des Selbstzünders. Aufhorchen lässt eine jüngst veröffentlichte Studie von McKinsey mit der Aussage, dass sich der Umsatz in der Automobilindustrie bis 2030 fast verdoppeln könnte.

Disruptive Verlagerung bietet Chancen

Der Wechsel vom Verbrennungsaggregat zum Elektroantrieb ist für die Automobilbauer ein langwieriger und kostspieliger Prozess. Die Kosten fallen heute an und der Gewinn kommt vielleicht erst in zehn Jahren – kein Investment für kurzfristig orientierte Investoren. Längerfristig entstehen aber rund um das individuelle Mobilitätsbedürfnis neue Geschäftsmodelle. Schätzungen zeigen, dass die Betriebskosten eines Elektrofahrzeugs in den kommenden fünf Jahren weniger als die Hälfte eines konventionellen Fahrzeugs betragen werden. Das macht die Elektrofahrzeuge zunehmend attraktiv für Car-Sharing-Modelle und Fahrdienstleister, wie zum Beispiel Uber. Dies könnte dann den ersten Durchbruch in den Produktions- und Verkaufszahlen der Elektroautos bringen. Prognosen zeigen, dass die globalen Absatzzahlen von Elektrofahrzeugen die Verkäufe konventioneller Automobile in rund 20 Jahren bereits überholen könnten.

Diese Entwicklung betrifft aber nicht nur die Automobilbauer, sondern auch andere Branchen. Nebst Tesla dürften Technologieunternehmen wie Apple oder Google rund um das Thema Konnektivität und autonomes Fahren eine wesentliche Rolle spielen. Die Einbindung von künstlicher Intelligenz in die Mobilität dürfte dabei unter anderem die Verkehrseffizienz verbessern. Davon würden insbesondere die Grossstädte und Ballungsgebiete profitieren. Zukünftiger Wachstumstreiber werden folglich nicht steigende Absatzzahlen sein, sondern die Expansion in neue Geschäftsfelder.

Heute investieren

Für Anleger stellt sich die Frage, ob sie den Sektor weiterhin verschmähen oder an die Elektrifizierung glauben und die entsprechenden Titel mitsamt Zukunftspotenzial jetzt schon ins Portfolio packen sollen. Bei den grossen Autoherstellern dürfte es noch länger dauern, bis sich die Verlagerung zum Elektrofahrzeug in positive Zahlen umwandelt. Bereits heute reagieren aber die Zulieferer, die als Technologieträger die Grundlagen für die Elektrifizierung mitgestalten. Hierzu gehören im europäischen Bereich Continental und der Chiphersteller Infineon. In der Schweiz stechen Autoneum und Georg Fischer ins Auge. Zu den Playern in der USA gehören der Zulieferer Delphi und der Chiphersteller Intel. Für zukunftsorientierte Anleger eröffnen sich also zunehmend wieder Anlagemöglichkeiten im Automobilsektor. Die Fahrt zum Ziel bleibt damit spannend.

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Patrik A. Janovjak, CIIA
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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