Siegeszug der Mieter

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Vielleicht mögen Sie sich erinnern? Anfang Jahr habe ich die Frage gestellt, ob 2017 das Jahr der Mieter wird. Und obwohl das Jahr noch einige Wochen für uns bereithält, beantwortet Ihnen Prof. Dr. Donato Scognamiglio diese und weitere Fragen in unserem Quartalsupdate.

Es ist nichts neues was ich Ihnen erzähle. Die Schweiz ist nach wie vor geprägt von Negativzinsen und die Investoren geplagt von fehlenden Anlageoptionen. Aber auch im Bereich der Renditeliegenschaften müssen private und institutionelle Anleger ihre Renditeerwartungen weiter nach unten schrauben. Steigende Preise bei Mehrfamilienhäuser und erhöhte Leerstände sind der Grund dafür. Doch die Produktion von neuen Wohneinheiten reisst nicht ab. Seit Sommer 2016 wurden über 50’000 Baubewilligungen von unseren Behörden ausgesprochen. Es wundert also nicht, dass die Nachfrage mit diesem Angebot nicht mehr schritthalten kann.

Leerstände und Vermarktungsschwierigkeiten

Aktuell stehen in der Schweiz 65’000 Wohneinheiten zur Vermietung oder zum Kauf offen. Das sind 15 Prozent mehr als letztes Jahr. Die Leerstände im Mietwohnungsbereich fokussieren sich hauptsächlich auf Gebiete ausserhalb der Grosszentren. Um die Gunst der Mieter auf sich zu ziehen, werben die Eigentümer mit verlockenden Angeboten. Ob Gratiswohnen für eine bestimmte Zeit oder Einrichtungsgutscheine – der Kreativität der Vermarkter sind keine Grenzen gesetzt. Gewinner in diesem Spiel sind in jedem Fall die Mieter, denn solche Angebote stellen faktisch eine Mietzinsreduktion dar. Legt man den gesparten Betrag von zwei Monaten „Gratismiete“ auf eine durchschnittliche Mietdauer von sechs bis sieben Jahren um, können Mietzinsreduktionen von bis zu 3 Prozent resultieren.

Rückgang der Nachfrage als Auslöser der Leerstände

Während letztes Jahr hauptsächlich die Überproduktion von Mietwohnungen für die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage verantwortlich war, ist es nun stärker als erwartet die rückläufige Nachfrage. Ein Grund für diesen Nachfrageabschwung ist das schrumpfende Bevölkerungswachstum in der Schweiz. Experten rechnen damit, dass im Jahr 2017 das Wachstum der ständigen Wohnbevölkerung noch 80’000 Personen betragen wird. Seit 10 Jahren wäre dies das erste Mal, dass das Wachstum weniger als 1 Prozent betragen würde. Gehen wir davon aus, dass im 2017 ungefähr 40’000 neue Haushalte gebildet werden und das Angebot und Nachfrage nach Wohneigentum im Gleichgewicht bleibt, hätten wir ein Angebotsüberhang von ungefähr 10’000 Mieteinheiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Überangebot von Mietwohnungen ist das dominierende Thema auf dem Wohnungsmarkt
  • Die sinkende Nachfrage treibt das Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage
  • Es stehen mehr Mietwohnungen leer, jedoch an peripheren Lagen, wo die Nachfrage relativ klein ist
  • Nach wie vor kleine Leerstandsziffer in den Schweizer Grosszentren
  • Preiswachstum im Mehrfamilienhaussegment wird durch die Schweizerische Nationalbank überwacht

Weitere Informationen

Marktkommentar 3. Quartal 2017

2017 – das Jahr der Mieter?

Zunehmende Leerstände bei Mietwohnungen

Riskanter Run auf Mehrfamilienhäuser

Finanzstabilitätsbericht der SNB

 

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Fabienne Schindler
Verantwortliche Produktmanagement Hypotheken bei BLKB
Fabienne Schindler ist Betriebsökonomin FH und arbeitet als Produktmanagerin bei der BLKB im Bereich Hypotheken und Immobilien. Sie versorgt die Leserinnen und Leser regelmässig mit Beiträgen rund um die Themen „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

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