Blockchain – Megatrend oder Modeerscheinung?

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Nach einem steilen Kursanstieg von mehr als 300% in diesem Jahr ist die Kyptowährung Bitcoin in aller Munde. Für viele Investoren ist das Thema jedoch eine Black Box, denn die Technologie ist wenig greifbar. Ein genauer Blick lohnt sich, denn Blockchain – die Technologie hinter Bitcoin – ist mehr als ein Hype und könnte zukünftig in vielen Branchen eingesetzt werden. Langfristig profitieren neben den Anwendern vor allem Unternehmen, welche die Technologie zur Umsetzung neuer digitaler Tauschbörsen bereitstellen.

Blockchain – Sicherheit und Transparenz

Die Blockchain-Technologie bildet das technische Rückgrat von digitalen Währungen wie Bitcoin oder Ethereum. Die Funktionsweise basiert auf einem komplexen mathematischen Algorithmus. Vereinfacht ausgedrückt ist Blockchain eine dezentrale Datenbank, oft auch als gemeinsames Kontobuch (Shared Ledger) bezeichnet, das im Falle des Bitcoins Zahlungen zwischen Mitgliedern des Netzwerks in einer Kette von Blöcken darstellt. Wird eine neue Transaktion generiert, muss diese erst durch Teilnehmer des Nerzwerks geprüft und freigegeben werden, um den Block an die bestehende Kette anzuheften. Die Verschlüsselung der getauschten Informationen führt dazu, dass im Gegensatz zum Austausch über das Internet keine Kopien der Information in Umlauf geraten. Die Information bleibt somit einmalig – und damit wertvoll. Deshalb eignet sich die Technologie bestens, jegliche Art von Transaktion darauf abzuwickeln. Der Hauptvorteil ist dabei die Beseitigung von Intermediären, welche jegliche Transaktionen mühevoll erfassen, dokumentieren und weiterreichen müssen.

Finanzbranche als «Early Adopter»

Während digitale Währungen wie Bitcoin kaum reguliert sind und mitunter spekulativ gehandelt werden, sind die Chancen der Blockchain-Technologie vielschichtig. Potenzielle Anwendungsgebiete sind überall dort zu finden, wo Ineffizienzen durch die Zwischenschaltung von Intermediären entstehen. Aus diesem Grund gehören Finanzdienstleister, eine Branche mit hohem Verwaltungsaufwand, zu den frühzeitigen Anwendern. So könnten Banken bei Auslandüberweisungen Blockchain nutzen, um die Transaktionsdauer auf wenige Sekunden zu minimieren. Zudem entfallen beim Einsatz die hohen Gebühren. Mehrere Banken wie UBS, Santander und Credit Suisse haben sich bereits zu einem Konsortium zusammengeschlossen und streben die Nutzung der Blockchain für 2018 an.

Technologie vielseitig einsetzbar

Auch ausserhalb der Finanzindustrie machen sich Experten über den Einsatz von Blockchain Gedanken. Im Bereich der Alternativen Energie dient Blockchain bereits heute als Marktplatz für den Handel von Solarenergie zwischen Privatpersonen. Das Schweizer Startup Mybit möchte mithilfe von Blockchain die Idee des dezentralen Eigentums weiter vorantreiben. Dabei soll es Individuen durch sogenannte Smart Contracts ermöglicht werden, Anteile an Erlös-generierenden Assets wie Solaranlagen, selbstfahrenden Autos oder Drohnen von überall auf der Welt zu erwerben. Die Rückflüsse können dann einfach über eine Kryptowährung anteilig an den Eigner ausbezahlt werden. Die Reederei Moeller-Maersk arbeitet an einer Blockchain-basierten Plattform für Schiffsversicherungen. Da dieser Bereich von besonders hohen Ineffizienzen und bürokratischem Aufwand gekennzeichnet ist, sollen Protokolle und Schadensmeldungen, die in der Vergangenheit in Papierform zwischen Häfen und Schiffen zirkulierten, über dieses System verteilt werden. Zahlreiche weitere Anwendungsgebiete finden sich im Gesundheitswesen, der Touristik oder bei staatlichen Institutionen.

Vom Megatrend profitieren

Blockchain ist definitiv keine Modeerscheinung und vor allem aus ökonomischer Sicht interessant. Das hohe Interesse am Thema könnte eine Welle von Investitionen auslösen. Wer am Trend partizipieren möchte, hat zahlreiche Möglichkeiten. Eine Direktinvestition in Kryptowährungen ist aufgrund der hohen Schwankungsbreite nur für Anleger mit starken Nerven geeignet und kann hohe Risiken beinhalten. Weniger risikobehaftet ist es möglicherweise, in Unternehmen zu investieren, die indirekt vom Trend profitieren. Beispiele finden sich bei Anbietern von Cloud-Computing Plattformen, welche eine Umgebung zur Entwicklung und zum Testen von Blockchain zur Verfügung stellen. Hersteller von Grafikprozessoren und zentralen Recheneinheiten könnten langfristig ebenfalls profitieren, da Blockchain-Prozesse hohe Rechenleistungen erfordern. 

 

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Daniel Maier
Finanzanalyst bei BLKB
Daniel Maier ist ein ehemaliger Mitarbeiter der BLKB. Er war Finanzanalyst im Investment Center.

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