Fragen & Antworten zum automatischen Informationsaustausch (AIA)

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Zur Verhinderung von Steuerhinterziehung hat die Schweiz den automatischen Informationsaustausch mit anderen Ländern eingeführt. Die im Jahr 2017 gesammelten Daten werden 2018 erstmals ausgetauscht. In diesem Beitrag beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Wieso AIA und wer steckt dahinter?

Die Bekämpfung der Steuerhinterziehung hat weltweit einen hohen Stellenwert eingenommen. So hat der Rat der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) im Juli 2014 den neuen globalen Standard für den internationalen automatischen Informationsaustausch in Steuersachen verabschiedet. Dieser soll ein globales Umfeld schaffen, welches steuerkonformes Verhalten der Steuerzahler sicherstellt. Die Mitgliedsländer der G20, der OECD und weitere wichtige Finanzplätze haben sich zur Anwendung des AIA verpflichtet – insgesamt über 100 Länder.

Welche Daten werden ausgetauscht?

Die Daten umfassen die Konto- und Finanzinformationen wie Einlagekonten, Verwahrkonten, Eigen- und Fremdkapitalbeteiligungen, rückkaufsfähige Versicherungsverträge und Rentenversicherungsverträge. Zudem beinhalten die Daten Identifizierungsinformationen wie Name, Anschrift, Ansässigkeitsstaat, Geburtsdatum und die Steueridentifikationsnummer. Bei in der Schweiz ansässigen natürlichen Personen wird als Identifikationsnummer die AHV-Versichertennummer verwendet, bei juristischen Personen die Unternehmens-Identifikationsnummer UID.

Betreffen die Informationen auch Immobilienbesitz im Ausland?

Der Austausch der Daten beschränkt sich bei meldepflichtigen Finanzinstituten auf die oben genannten Informationen; Daten von Immobilien sind nicht enthalten. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass eine Steuerbehörde im Rahmen von Abklärungen Kenntnis einer ausländischen Liegenschaft erlangt. Dies ist dann der Fall, wenn Kontobewegungen auf eine Liegenschaft hinweisen. Diese Tatsache ist wichtig, da der Besitz von Vermögenswerten im Ausland nicht nur steuerliche Konsequenzen mit sich bringt. Diese Werte haben auch einen Einfluss auf Sozialleistungen wie Krankenkassenprämienverbilligungen oder Ergänzungsleistungen.

Was geschieht mit den ausgetauschten Informationen in der Schweiz?

Die ausländische Steuerbehörde übermittelt die gesammelten Informationen an die Eidgenössische Steuerverwaltung. Für die Steuerverwaltung des Kantons, in welchem die steuerpflichtige Person ansässig ist, sind die Informationen im Abrufverfahren zugänglich.

Wie verträgt sich der AIA mit dem Bankgeheimnis?

TaxFormell bleibt das Schweizer Bankgeheimnis bestehen. Für im Ausland ansässige Kunden wird es mit der Einführung des AIA jedoch faktisch aufgehoben. Wichtig: Die ausgetauschten Daten dürfen nur für Steuerzwecke verwendet werden (Spezialitätsprinzip) und bezüglich Vertraulichkeit und Datenschutz bestehen hohe Ansprüche. Durch strenge Prüfungen wird sichergestellt, dass alle am AIA beteiligten Staaten die rechtlichen, administrativen und technischen Rahmenbedingungen einhalten.

Unversteuerte Vermögenswerte im Ausland, wie weiter?

Seit dem Jahr 2010 besteht in der Schweiz die Möglichkeit der straflosen Selbstanzeige. Diese setzt unter anderem voraus, dass die Hinterziehung den Steuerbehörden zum Zeitpunkt der Anzeige noch nicht bekannt war. Da die Schweizer Steuerbehörden durch die Datenlieferungen im Jahr 2018 möglicherweise Hinweise zu den ausländischen Werten erhalten, ist es ab diesem Zeitpunkt für eine straflose Selbstanzeige zu spät. Prüfen Sie deshalb noch in diesem Jahr Ihre persönliche Situation und lassen Sie sich bei Bedarf beraten.

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Mathias Mahrer
Leiter Abteilung Steuern bei BLKB
Mathias Mahrer leitet bei der BLKB die Abteilung Steuern. Er und sein Team beraten Kundinnen und Kunden in Steuerfragen. Hier schreibt er Artikel zu aktuellen Geschehen in der Steuerlandschaft.

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