Hypothek im Alter

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Mit der Pensionierung ändert sich einiges. Plötzlich hat man keine Ferien mehr. Dafür Zeit, mit dem Enkel in den Zoo zu gehen, die lang ersehnte Asienreise anzutreten oder einfach im Garten zu entspannen. Aber nicht nur der Tagesablauf verändert sich im dritten Lebensabschnitt, sondern auch die Einkommenssituation. Nach der Pensionierung stehen einem Rentnerhaushalt im Normalfall nur noch rund zwei Drittel des Erwerbseinkommens zur Verfügung. Dies kann auch Auswirkungen auf die Wohnform haben.

Fleissig abbezahlt

Das Ehepaar Margrit und Werner S., beide 67-jährig, haben sich kurz nach ihrer Hochzeit vor 45 Jahren ein gemütliches Einfamilienhaus in ihrer Heimatgemeinde Allschwil gekauft. Dort haben sie ihre drei Kinder grossgezogen und geniessen nun ihre Zeit in dem grosszügigen Garten mit Schwimmbad. Das Haus ist gut unterhalten, laufend wurden kleinere Renovationen vorgenommen. Zuletzt verwirklichte sich die passionierte Hobbyköchin Margrit den Traum einer neuen Küche. Mit einer frei stehenden Kochinsel und einem Kombi-Steamer schmeckt das Essen gleich viel besser, berichtet sie stolz. Das Ehepaar S., ist seinen Zinsverpflichtungen immer pünktlich nachgekommen und auch die Hypothek haben sie in all den Jahren fleissig abbezahlt. Das Haus hat heute schätzungsweise einen Wert von 1.2 Millionen Franken und ist bloss noch mit einer Hypothek von 300’000 Franken belastet. Da die Renovation des Daches seit einiger Zeit ansteht und sie zudem das Renteneinkommen durch eine Aufstockung der Hypothek etwas verbessern möchten, vereinbart das Ehepaar einen Termin bei ihrer Hausbank.

Unsicherheit

Doch bereits kurz nach der Terminvereinbarung machte sich bei den beiden ein mulmiges Gefühl in der Magengegend breit. Immer wieder haben sie Schlagzeilen wie: «Kreditstopp für ältere Bankkunden» oder «Senioren: Drohender Hausverkauf» gelesen. Doch möchten sie weiterhin in ihrem liebgewonnenen Eigenheim bleiben, bleibt ihnen der Weg zur Bank nicht erspart. Die Eigenmittel für die Renovation des Daches sind nicht vorhanden und Sparpotenzial ist mit einer Jahresrente von 78’000 Franken auch keines vorhanden. Da sie jedoch immer kräftig amortisiert haben und das Haus über die Jahre hinweg an Wert gewonnen hat, sind sie zuversichtlich, die nötigen Mittel zu erhalten.

Die finanzielle Tragbarkeit ist entscheidend

wohntraum_illu_hausBei der Beurteilung durch die Bank ist vor allem die finanzielle Tragbarkeit entscheidend. Die Summe aus den kalkulatorischen Zinsen und den Nebenkosten sollte ein Drittel des Einkommens nicht übersteigen. Das gilt auch für Rentner. In unserem Beispiel belaufen sich die Zinskosten sowie die Nebenkosten auf 27’000 Franken pro Jahr. Dies entspricht einer Tragbarkeit von knapp 35 Prozent. Eine Erhöhung der Hypothek ist somit aufgrund der geltenden Richtlinien nur knapp möglich. Und dies, obwohl die Liegenschaft nur zu 25 Prozent belehnt ist. Die restlichen 75 Prozent sind Eigenmittel, welche jedoch fix in der Liegenschaft gebunden sind.

Tiefe Belehnung

Diese Situation ist nicht aussergewöhnlich. Gerade für die Generation, die heute im Pensionsalter ist, war es normal, die Schulden regelmässig und pflichtbewusst zu tilgen. Dies führt dazu, dass heute viele pensionierte Personen über sehr tief belehnte Liegenschaften verfügen und somit einen Grossteil ihres Vermögens im eigenen Haus gebunden haben. Geld für grössere Investitionen wie eine Dachsanierung oder Liquidität, um den früheren Lebensstandard zu erhalten, ist keines vorhanden. Der Verkauf des Eigenheims erscheint für viele in einer solchen Situation unabwendbar. Doch es gibt auch andere Lösungen.

Hypotheken im Alter

wohntraum_illu_challetWie in unserem Beispiel wird für immer mehr Menschen das Bestreiten des Lebensunterhalts mit den Einkünften nach der Pensionierung knapp. Demgegenüber stehen Ersparnisse, welche in der selbst bewohnten Liegenschaft gebunden sind. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass pensionierte Personen ihre grösstenteils abbezahlte Hypothek wieder erhöhen. Diese Aufstockung der Hypothek stellt eine Ergänzung zur AHV- und Pensionskassenrente dar und kann monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich ausbezahlt werden.

Wann ist eine Aufstockung möglich?

Eine Aufstockung der Hypothek ist im Alter nur möglich, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Das Haus oder die Wohnung muss in den vergangenen Jahrzehnten ganz oder zu einem Grossteil abbezahlt worden sein. Dann ist eine erneute Belehnung bis maximal zur Hälfte des Liegenschaftswertes möglich. Da Rentner bei einer Aufstockung der  Hypothek oftmals an der kalkulatorischen Tragbarkeit (also dem Verhältnis des Jahreseinkommens zur Belastung durch den kalkulatorischen Zinssatz und der Nebenkosten) scheitern, kann bei einer Hypothek im Alter die normalerweise bei 35 Prozent festgelegte Tragbarkeitsgrenze auf bis zu 50 Prozent ausgeweitet werden. Zudem ist eine Neubewertung der Liegenschaft in jedem Fall angebracht. Vor allem aufgestaute Unterhalts- und Renovationsarbeiten können den Belehnungswert entsprechend relativieren.

Lassen Sie sich noch heute von unseren Spezialistinnen und Spezialisten beraten.

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Fabienne Schindler
Verantwortliche Produktmanagement Hypotheken bei BLKB
Fabienne Schindler ist Betriebsökonomin FH und arbeitet als Produktmanagerin bei der BLKB im Bereich Hypotheken und Immobilien. Sie versorgt die Leserinnen und Leser regelmässig mit Beiträgen rund um die Themen „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

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