Festverzinsliche Papiere auch bei steigenden Zinsen attraktiv

0
4
0

Die meisten Anleger halten Obligationen in ihrem Portfolio. Diese zahlen während der Laufzeit in der Regel einen fixen Coupon und werden zum Nennwert zurückgezahlt. Abgesehen vom Schuldnerrisiko sind Obligationen damit eine sichere Anlage. Dabei steckt hinter diesen vermeintlich einfachen Anlagen viel mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Obligationen im Tiefzinsumfeld

Obligationen gehören zu den liquidesten Anlagen weltweit. Staatsanleihen dienen grossen institutionellen Anlegern wie Pensionskassen entsprechend auch als Kernanlage. Im aktuellen Tiefzinsumfeld rentieren die meisten Schweizer Obligationen fast nichts mehr; im Extremfall sind die Renditen sogar negativ. Trotzdem investieren Anleger weltweit weiterhin in Obligationen. Die Frage liegt nahe, wieso die Bestände nicht verkauft und die Erlöse als Bargeld auf das Konto gelegt werden.

Obligationen reduzieren das Risiko

Obligationen haben in Kombination mit Aktien eine risikomindernde Wirkung. Dabei tragen die Aktien zu einem grossen Teil der Wertentwicklung eines Portfolios bei. Kommen die Aktienmärkte unter Druck, flüchten sich Anleger aber in sichere Anlagen wie Obligationen, die genügend Liquidität aufweisen, um grosse Mengen an Geld aufzunehmen. Als Resultat steigen die Kurse der Obligationen. Diese gegenläufige Entwicklung der Obligationenpreise und Aktienkurse wirkt im Portfolio stabilisierend. Der Mechanismus funktioniert weitgehend unabhängig vom Zinsniveau, auch bei negativen Renditen.

Cash ersetzt Obligationen nicht

Wie wertvoll Obligationen im Portfolio sein können, zeigt sich anhand der angeführten Grafiken: Für verschiedene Portfolios werden die maximalen Verluste und Erholungszeiträume für bekannte historische Ereignisse gerechnet und dargestellt.

Wertverluste von Portfolios in Krisen

Wertverluste von Portfolios in Krisen

Erholungszeitraum für Portfolios in Krisen

Erholungszeitraum für Portfolios in Krisen

Dabei wird klar, dass mit zunehmendem Aktienanteil der maximal erlittene Verlust stärker ansteigt. Das heisst, eine Verdopplung des Aktienanteils zu Lasten der Obligationen führt nicht zu einer Verdopplung, sondern zu einer Verdreifachung des maximalen Verlustes. Das Risiko nimmt also überproportional zu. Würde man dieselbe Rechnung mit Aktien und Bargeld machen, dann würde der kompensierende Effekt der Obligationen wegfallen, da Bargeld bei fallenden Aktienmärkten stabil bleibt.

Risiko immer im Portfoliokontext

Die vorgängigen Aussagen mögen den einen oder anderen Privatanleger überraschen, sie erklären aber eindrücklich, wie man Wertschwankungen im Gesamtportfolio kontrollieren kann. Dabei steht weniger die kurzfristige Gewinnprognose der einzelnen Anlagen im Vordergrund, sondern die Entwicklung des Gesamtvermögens. Ein professionell verwaltetes Portfolio wird deshalb im Rahmen der gewählten Anlagestrategie immer einen Teil in Obligationen investieren, um den Anleger vor bösen Überraschungen zu schützen. Zwar können Kursstürze nicht vollständig kompensiert, aber immerhin zu einem wesentlichen Teil abgefedert werden. Risikobewusste Anleger sind deshalb auch im aktuellen Umfeld mit Obligationen gut beraten.

4
0
Teilen.
Patrik A. Janovjak, CIIA
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

Eine Antwort geben