Wasser ist ein wichtiges Investmentthema

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Wasser wird zum Problem, wenn es entweder zu wenig oder zu viel davon hat. Ersteres zeigt sich diesen Sommer wieder anhand der ausgeprägten Trockenheit in Italien, Spanien und Portugal. Gleichzeitig kam es zum Beispiel in Deutschland und Norditalien zu starken Überschwemmungen. Gemäss einer neuen Studie der Technischen Universität Wien werden Überschwemmungen in Europa zunehmen. Die entstehenden jährlichen Kosten könnten sich dabei bis 2050 mehr als vervierfachen. Aber auch weltweit verändern Klimawandel und Übernutzung das Wasserregime: So litt Kalifornien von 2011 bis Anfang 2017 unter einer Megadürre und China will im Rahmen des dreizehnten Fünfjahresplanes die massive Wasserverschmutzung in den Griff bekommen.

Mehr Transparenz für Anleger

Auch Unternehmen sind von diesen Veränderungen betroffen. Während vor 2010 nur wenige Daten zum Wasserverbrauch offengelegt haben, hat sich die Situation auch durch die Investoreninitiative CDP (Carbon Disclosure Project) verbessert. Diese Initiative bemüht sich seit sieben Jahren, nicht nur Daten zu der Freisetzung von Klimagasen zu erhalten, sondern auch zum Thema Wasser. Von den weltweit grössten rund 1‘300 börsennotierten Unternehmen aus wassersensitiven Branchen veröffentlicht rund die Hälfte entsprechende Informationen und hat Wassereffizienz-Programme und -ziele.

Wasser ist für jedes Portfolio relevant

Während immer mehr Anleger die diesbezüglichen Chancen erkannt haben und in Unternehmen mit Produkten zur Lösung der Wasserkrise wie zum Beispiel den Sanitärhersteller Geberit investieren, bleibt die Betroffenheit vieler weiterer Branchen im Hintergrund. Wasser ist einer der zentralen Inputfaktoren für die Wirtschaft. Von den jährlich weltweit rund vier tausend Kubikkilometern genutztes Frischwasser, wird ein Grossteil für die Landwirtschaft genutzt. 38 Prozent des Wassers wird verbraucht und 32 Prozent fliessen ungenutzt ab. Zweitgrösster Verbraucher ist die Industrie.

Weltweite Frischwassernutzung (2015); Quelle: Unesco/FAO

Weltweite Frischwassernutzung (2015); Quelle: Unesco/FAO

 

Diese Zahlen machen deutlich, dass insbesondere Nahrungsmittelhersteller ihr Augenmerk auf das Thema lenken sollten, um die Verfügbarkeit der Rohstoffe sicherzustellen. Bei einer Investmentanalyse ist es deshalb wichtig zu beurteilen, wie sich die Produzenten diese auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Die Umsätze mit landwirtschaftlichen Produkten aus gefährdeten Regionen betragen weltweit rund USD 700 Mrd. Nestlé und Danone haben im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten Massnahmenpläne zur Reduktion des Wasserverbrauchs in der Lieferkette umgesetzt.

Für die Schweiz besonders relevant ist der Kakaoanbau. Das Hauptanbaugebiet Westafrika leidet besonders unter dem Klimawandel. Nestlé und Lindt diversifizieren deshalb ihren Einkauf vor allem nach Südamerika und fördern einen nachhaltigen Anbau.

Durstige Digitalisierung

Auch der stetig wachsende Elektroniksektor stösst an seine Wassergrenzen. Allein die Herstellung eines Mikrochips benötigt rund 32 Liter. Rund ein Drittel der weltweiten Halbleiterfabriken befinden sich in Gebieten mit hohem Wassermangelrisiko (Südwesten der USA, China etc.). Die Effizienz der Hersteller ist noch sehr unterschiedlich, die Wasserrecyclingraten schwanken zwischen rund 5 und 90 Prozent. Mit zunehmender Knappheit und steigenden Kosten für die Abwasserbehandlung werden effiziente Unternehmen profitieren. Ebenfalls sehr wasserintensiv ist der Energiesektor (Kraftwerke brauchen u.a. viel Kühlwasser) oder auch die Bekleidungsindustrie (Baumwollanbau). Eine effiziente Wassernutzung hilft Unternehmen Kosten zu sparen und Rohstoffe zu sichern, was sich wiederum auf den Unternehmenswert positiv auswirkt. Da das Thema noch sehr unterschiedlich angegangen wird, ist es für Anleger umso wichtiger, die Spreu vom Weizen zu trennen.

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Andreas Holzer
Finanzanalyst bei BLKB
Andreas Holzer ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist Spezialist für Nachhaltiges Investieren, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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