Medizin 4.0

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Das Gesundheitswesen steht weltweit vor riesigen Herausforderungen. Die Kosten für die Gesundheitsversorgung nehmen laufend zu. Vor dem Hintergrund der Überalterung wird es umso schwieriger, diesen Trend zu brechen. Gleichzeitig sollen die Qualität und der Fokus auf die Patienten verbessert werden. Entsprechend wird auf allen Ebenen fieberhaft nach Lösungen gesucht. Eine Option ist die Digitalisierung: Datenbanken, Vernetzung und künstliche Intelligenz können das Gesundheitswesen effizienter gestalten. Anleger sollten versuchen, an diesen Trends zu partizipieren.

Heilsbringer Digitalisierung

Der Einsatz von neuen Technologien ist sicher kein Allheilmittel, er kann Therapie und Pflege jedoch substanziell verbessern. Verschiedene Schweizer und europäische Unternehmen wenden bereits Medizin 4.0 an . Ein Bereich mit grossem Effizienzsteigerungspotenzial sind elektronische Patientendossiers. Diese bringen eine bessere Datenverfügbarkeit und vermeiden Doppelspurigkeiten. SAP bietet diesbezüglich eine Software an, die auch eine Analyse der Gesundheitsinformationen ermöglicht. Deutlich bessere Resultate bringt auch die elektronische Erfassung und Analyse von medizinischen Bildern wie Röntgenaufnahmen, ein Spezialgebiet von Siemens. Kleinste Auffälligkeiten können durch die Nutzung einer Datenbank systematisch erkannt werden. Auch der vielzitierte 3D-Druck spielt bei der Digitalisierung der Medizin eine Rolle, insbesondere in der Zahnmedizin. Im Juni dieses Jahres hat sich Straumann am deutschen Hersteller von 3D-Druckern Rapid Shape beteiligt. Mit den Druckern können Dentallabore etwa provisorische Restaurationen durchführen und Modelle rasch und in zertifizierter Präzision selbst fertigen.

Bessere Resultate und mehr Verantwortung

Die Auswertung medizinischer Daten bringt ebenfalls Vorteile. Nutzer von Sonova-Hörgeräten können beispielsweise die Einstellungen ihrer Geräte via Smartphone selbst vornehmen. Diese Daten nutzt Sonova dann für die Produktentwicklung. Auch Novartis baut auf Big Data. Basierend auf Behandlungsdaten von Brustkrebs will der Pharmariese zusammen mit dem Supercomputer Watson von IBM bessere und individuellere Behandlungswege finden. Watson greift dabei auf rund 20 Millionen Onkologie-Dokumente zurück. Da sich das Volumen der medizinischen Daten derzeit alle 60 Tage verdoppelt, ist die Hilfe des Computers durchaus willkommen.

Dennoch kann die technische Revolution in der Medizinwelt durch berechtigte Ängste bezüglich Datenschutz und -sicherheit gebremst werden. Die Cyberattacken im Mai unter anderem auf britische Krankenhäuser waren diesbezüglich ein erneuter Weckruf. Wenn Anbieter und Nutzer für Gesundheitsdaten aber das notwendige Schutzniveau bieten, steht der sinnvollen Nutzung der neuen Technologien nichts mehr im Weg.

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Andreas Holzer on Linkedin
Andreas Holzer
Finanzanalyst bei BLKB
Andreas Holzer ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist Spezialist für Nachhaltiges Investieren, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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