US-Aktienmarkt trotzt politischem Chaos

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Mit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten brach an den Aktienmärkten Euphorie aus. Rekordhohe Infrastrukturausgaben, Steuererleichterungen und andere konjunkturfördernde Massnahmen sollten der US-Wirtschaft zusätzliche Wachstumsimpulse verleihen. In den vergangenen Monaten wurde zunehmend klar, dass es Trump immer schwerer fällt, sein politisches Programm durchzusetzen. Die anfängliche Hoffnung schwindet und Ernüchterung macht sich breit. Katerstimmung bleibt aber vorerst aus und die US-Börse konnte sich seit Jahresstart mit knapp 11% deutlich positiv entwickeln. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Weltweit synchrones Wirtschaftswachstum

Ein ganz offensichtlicher Grund für die steigenden US-Aktienkurse liegt in der positiven Entwicklung der Weltwirtschaft. Erstmals seit 2008 weisen alle wesentlichen Wirtschaftsregionen synchron deutlich positive Wachstumsraten auf. Von dieser Wachstumsdynamik profitieren Unternehmen weltweit. Zusätzlich befeuert wurden die Wachstumsfantasien durch die tiefen Energie- und Rohstoffpreise, welche insbesondere Balsam für die US-Industrie sind.

Berichtssaison in den USA positiv

Ein weiterer Grund für die stabile Lage am US-Aktienmarkt sind die guten Quartalsergebnisse in den USA. Die aktuelle Berichtssaison ist zwar noch nicht vorbei, dennoch fällt die Zwischenbilanz positiv aus. Von den insgesamt 500 grössten Unternehmen in den USA konnten bereits mehr als die Hälfte ihre Quartalszahlen vorlegen. Im Durchschnitt wuchsen die Gewinne um 9% im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist zwar eine leichte Abschwächung des Wachstums gegenüber dem ersten Quartal, jedoch deutlich besser als vor Beginn der Berichtssaison erwartet. So konnten bisher knapp 77% der Unternehmen die Gewinnerwartungen übertreffen. Der Umsatz stieg bis dato aggregiert um 6% – der beste Wert seit 2009.

IT-Sektor als Zugpferd

Eine Branche sticht in der aktuellen Quartalsberichtssaison abermals hervor: Der IT-Sektor entwickelt sich zum eigentlichen Trumpf der US-Wirtschaft. Ein Umsatzwachstum von 10% im aktuellen Quartal macht deutlich, dass die weltweiten Investitionen in neue Technologien ungebrochen steigen. Da der Wettbewerb in vielen reiferen Branchen zunimmt, sehen sich viele Unternehmen gezwungen, ihre IT-Kapazitäten auszubauen. Der US-Leitindex S&P 500 profitiert dank eines Anteils von 23% Technologietiteln überproportional von dieser Entwicklung. Deutlich wird dies, wenn man den Kursverlauf des S&P 500 mit und ohne Technologietitel vergleicht. Der S&P 500 erwirtschaftete seit Jahresanfang eine Rendite von 10.65%, während er ohne Technologietitel lediglich 8.81% abgeworfen hätte – ein Unterschied von fast 2%.

Kursverlauf S&P 500 und Proshares S&P 500 ETF Ex-Technology

Kursverlauf S&P 500 und Proshares S&P 500 ETF Ex-Technology

Attraktive Margenexpansion von Unternehmen

Die Automatisierung von Prozessen durch IT führt bei Firmen langfristig zu höheren Margen und folglich auch zu höheren Börsenbewertungen. So ist die durchschnittliche Ebitda-Marge (Gewinn vor Steuern und Abschreibungen) im amerikanischen Leitindex von 17.3% im Vorjahr auf aktuell 18.9% angestiegen. Im Vergleich dazu stieg diese Kennzahl in Europa von 13.5% auf 15.5% und notiert damit noch deutlich unter dem US-Niveau.

US-Wachstum zuletzt wieder besser – Bewertung weiterhin hoch

Laut aktueller Schätzung zum US-Wachstum im zweiten Quartal konnte die Wirtschaft um 2.6% zulegen, was deutlich über den rapportierten 1.2% im ersten Quartal lag. Den US-Unternehmen hilft dabei nicht nur der anhaltend starke Konsum, sondern auch der sich abschwächende US-Dollar. Den guten fundamentalen Daten steht weiterhin eine hohe Bewertung des US-Marktes gegenüber. Eine neutrale Aktienposition in US-Titeln lässt sich nach wie vor rechtfertigen.

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Daniel Maier
Finanzanalyst bei BLKB
Daniel Maier ist Finanzanalyst im Investment Center bei der BLKB. Er ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien. Sein Schwerpunkt: Nordamerika.

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