Der Euro im Höhenflug

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Der Euro erfreute sich in den vergangenen Jahren geradezu einer spektakulären Unbeliebtheit. Mit der Wahl Emmanuel Macrons zum Präsidenten Frankreichs setzte die europäische Gemeinschaftswährung zum Höhenflug an. Seit dem Frühjahr hat sich der Euro handelsgewichtet um knapp 6% aufgewertet.

Geldpolitik treibt Wechselkurse

Die Aussagen des EZB-Präsidenten, Mario Draghi, in den vergangenen Wochen spielten dabei keine unwesentliche Rolle. Die Ankündigung, die EZB wolle im Herbst ihre Pläne für einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik bekannt geben, führte bereits im Juni zu deutlichen Bewegungen in den längeren Euro-Zinsen. Damit verbunden stiegen auch die 10-jährigen Sätze in der Schweiz, was v.a. Hauseigentümer bei den Refinanzierungssätzen für längere Hypotheken feststellen mussten. Die EZB bereitet also nach der US-Notenbank Fed als zweite grosse Zentralbank ebenfalls ihre Zinswende vor. Die Erwartung höherer Euro-Zinsen beflügelte den Wert des Euro und schlägt sich folglich im EUR/CHF-Wechselkurs nieder.

Inflationsdruck bleibt tief

Im Hinblick auf einen weiteren Zinsanstieg bleibt eine wesentliche Frage offen: Kommt nun der erwartete Inflationsschub oder kommt er nicht? Das Thema wird kontrovers diskutiert. Während die Zentralbanken Inflationsschübe dazu nutzen möchten, ihre Zinsen nach oben anzupassen, scheinen die klassischen Inflationstreiber wie die Lohninflation nicht wirklich den gewünschten Anstieg zu verursachen. Auch von der Produzentenseite ist aufgrund des zunehmenden Freihandels und der Globalisierung nicht mit rasanten Preisanstiegen zu rechnen. An der Frage, ob diese Inflationstreiber im Umfeld der technologischen Revolution „Robotics & Künstliche Intelligenz“ überhaupt noch anspringen können, scheiden sich momentan die Geister. Die Inflation bleibt wohl eher ein Wunsch der Zentralbanken.

Konsequenzen für Schweizer Anleger

Steigen die Zinsen in der EU weiter, dann dürften auch die Schweizer Sätze höher tendieren. Der Euro dürfte im aktuellen Umfeld seine Stärke beibehalten oder evtl. sogar noch ausbauen. Das sind schlechte Neuigkeiten für Schweizer Obligationen, welche bei steigenden Zinsen an Wert verlieren. Hier gilt es, bei besonders langen Laufzeiten die Kursgewinne mitzunehmen. Es sind aber grundsätzlich gute Neuigkeiten für die Schweizer Wirtschaft, insbesondere aber für Aktien von Schweizer Exportunternehmen wie Georg Fischer oder Schweiter, welche aufgrund des günstigeren Frankens an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Vorsicht ist bei Schweizer Unternehmen geboten, welche ihre Bilanzierung vor Jahren auf EUR umgestellt haben. Hier dürfte sich der Effekt nur abgeschwächt bis gar nicht im Aktienkurs reflektieren können.

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Patrik A. Janovjak, CIIA
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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