Grow or Go: Der Druck auf den Detailhandel nimmt zu

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Kaum eine Branche steht aktuell vor grösseren Herausforderungen als der Detailhandel. Für klassische Detailhändler wird es zunehmend schwierig, gegen die aufkommende Online-Konkurrenz zu bestehen. Dies zeigt sich auch in der negativen Aktienkursentwicklung von Retail-Titeln. Börsengehandelte Indexfonds wie der iShares STOXX 600 Retail ETF oder der SPDR S&P Retail ETF, welche die Entwicklung des Sektors in Europa und den USA abbilden, liegen seit Jahresanfang deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurück. Um überlebensfähig zu sein, müssen Unternehmen in den kommenden Jahren vor allem in Technologie und neue Ladenkonzepte investieren.

E-Commerce auf dem Vormarsch

Die massive Zunahme des weltweiten E-Commerce eröffnet dem Kunden die Möglichkeit, von überall her mit dem Smartphone auf Shoppingtour zu gehen. Die Vorteile des Online-Shoppings liegen auf der Hand: Meist erzielen Kunden über Online-Portale einen besseren Preis, haben eine breitere Auswahl, sparen sich den Weg sowie den Transport und müssen sich nicht um die Parkplatzsuche kümmern. Kundenfreundliche Rückgaberechte und Produktrezessionen sind weitere Argumente. Im Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten stösst Amazon forsch in neue Bereiche des E-Commerce vor. Durch die jüngst erfolgte Übernahme von Whole Foods greift der Technologiekonzern aus Seattle im Lebensmittelbereich an. Weitere geplante Expansionsschritte in Segmente wie Autoteile, Elektronikservices und Kosmetik/Medikamente haben die Branche zuletzt ebenfalls aufgerüttelt.

Detailhandel muss sich neu erfinden

Um gegen die Online-Konkurrenz zu bestehen, muss sich der klassische Detailhandel neu erfinden. Dabei wird verstärkt darauf gesetzt, Kundenerlebnisse zu schaffen. Der Investitionsschwerpunkt liegt in der Modernisierung von Läden, Personalschulungen und Technologie. Besonderen Erfolg verspricht man sich in der Branche vom sogenannten Omnichannel-Ansatz, dem nahtlosen Zusammenspiel zwischen Technologie und persönlicher Beratung. Ein Beispiel für die steigende Bedeutung des Erlebnisfaktors beim Einkauf kommt aus den USA. Der amerikanische Sportartikelhersteller Lululemon bietet «In-Store»-Yogakurse an, um den Kunden ein unmittelbares Produkterlebnis zu bieten. Einen hohen Stellenwert besitzt auch das Thema Big Data. Das US-Warenhaus Nordstrom wertet beispielsweise Posts der Ideen-App Pinterest aus, um neue Konsumententrends schneller zu erkennen und sofort in die Läden zu bringen. Im Bereich des mobilen Bestellens und Bezahlens wird ebenfalls kräftig investiert. Das Mobile-App-Konzept von Starbucks findet besonders bei Millennials hohen Anklang. Mittlerweile werden fast 30% aller Transaktionen bei Starbucks zu den Stosszeiten über eine mobile App abgewickelt.

Den Geist der Zeit erkannt

Innovationskraft und Offenheit gegenüber neuen Konsumententrends sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren im Detailhandel. Ein positives Beispiel hierfür ist die spanische Bekleidungskette Inditex. Die Zara-Muttergesellschaft spricht mit einer hohen Diversifikation des Markenportfolios Kunden aus vielen Gesellschafts- und Altersschichten an. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist das ständig wechselnde Sortiment. Dies spricht Kunden an und sorgt für lange Schlangen an den Kassen. Inditex plant daher, entgegen dem Trend, weitere Ladenöffnungen. Ein weniger offensichtlicher Profiteur der Detailhandelsrevolution könnte SAP sein. Das Software-Unternehmen sah zuletzt eine steigende Nachfrage seiner Cloud-Plattform HANA. Detailhandelskunden setzen HANA ein, um die Produktivität von Filialen zu steigern, beispielsweise durch die Auswertung von Zahlungs-, Kunden- oder Sensordaten. SAP widmet sich dem Thema Detailhandel intensiv und betreibt ein eigenes Forschungszentrum.

Kein Ende in Sicht

Das Ende des Detailhandels scheint dank Innovation also nicht in Sicht. Experten aus der Beratungsbranche rechnen zwar damit, dass sich die Umsätze in den nächsten Jahren langsamer entwickeln werden als in der Vergangenheit. Die einziehende Innovation sowie die anhaltend gute weltweite Wirtschaftslage sollten sich aber langfristig positiv auf den Sektor auswirken. Für Investoren empfiehlt sich, auf Unternehmen zu setzen, die dem Wandel offen gegenüberstehen und Innovationen forcieren.

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Daniel Maier
Finanzanalyst bei BLKB
Daniel Maier ist Finanzanalyst im Investment Center bei der BLKB. Er ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien. Sein Schwerpunkt: Nordamerika.

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