Deshalb ist die Frühpensionierung ein teurer Luxus

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Grundsätzlich kann man sagen, dass eine frühzeitige Pensionierung teuer und nur dann möglich ist, wenn genügend private Ersparnisse zur Verfügung stehen. Eine gute Planung ist unumgänglich. Über diese finanziellen Themen sollten Sie sich frühzeitig Gedanken machen:

Pensionskassen-Renten sind unter Druck

Viele Versicherte haben in den letzten Monaten Post von der Pensionskasse erhalten mit der Information: Die Umwandlungssätze werden sinken. Zusammen mit dem aktuell tiefen Zinsumfeld führt dies dazu, dass die prognostizierten Renten immer kleiner werden.

Altersreform 2020

Auch bei der Altersreform 2020 ist eine Senkung des Umwandlungssatzes geplant. Die Altersreform sieht unter anderem vor, den Umwandlungssatz von aktuell 6.8 auf 6.0 Prozent zu senken. Dies gilt jedoch nur für das BVG-Obligatorium. Viele Versicherte sind überobligatorisch versichert und dort ist die Umwandlungssatz-Senkung meist bereits vollzogen.

Lohnt es sich, eine Frühpensionierung einzuleiten, um zumindest teilweise noch vom höheren Umwandlungssatz zu profitieren?
Die Frage ist schwierig zu beantworten. In der Regel senken die Pensionskassen die Umwandlungssätze nicht von einem Tag auf den anderen sondern gestaffelt über mehrere Jahre. So sollte es eigentlich nicht vorkommen, dass die Rente kleiner wird wenn jemand weiterarbeitet. Die Beiträge, welche man monatlich einzahlt, sowie der zusätzliche Zins bewirken, dass die Rente leicht steigt – obwohl der Umwandlungssatz sinkt.

1 Jahr Frühpensionierung = 7% weniger Rente

In vielen Fällen ist es so, dass in den letzten fünf Jahren vor der ordentlichen Pensionierung bis zu einem Drittel des gesamten Alterskapitals angespart wird. Dies einerseits wegen des Zinseszinseffekts, anderseits sind auch die Sparbeiträge und meist auch der Lohn in den letzten fünf Jahren am grössten. Über den Daumen kann man sagen, dass ein Jahr Frühpensionierung rund sieben Prozent Rente „kostet“. Hinzu kommt, dass natürlich der Lohn früher fehlt und die AHV-Rente oftmals erst zum ordentlichen Pensionierungsalter bezogen wird. Um die Einkommenslücke bis zum Beginn der AHV-Rente auszugleichen, braucht es private Ersparnisse. Dafür kann beispielsweise das Guthaben auf dem Säule-3a-Konto benützt werden. Die Säule 3a kann bereits fünf Jahre vor dem ordentlichen Pensionsalter bezogen werden.

Theoretisch könnte auch die AHV-Rente um ein oder zwei Jahre vorbezogen werden. Die Kürzung mit 6.8 Prozent für ein Jahr (bzw. 13.6 Prozent für zwei Jahre) ist aber relativ hoch. Wird die Altersreform 2020 im September 2017 angenommen, wird diese Kürzung auf 4.1 Prozent für ein Jahr (bzw. 7.9 Prozent für zwei Jahre) gesenkt. Zudem würde der Vorbezug bereits drei Jahre im Voraus möglich sein.

Einkauf in die Pensionskasse

Eine interessante Variante für das Sparen auf eine frühzeitige Pensionierung bieten Einkäufe in die Pensionskasse. Auch wenn die Leistungen in die ordentliche Pensionskasse bereits voll eingekauft sind, kann oft die entstehende Lücken durch die Frühpensionierung aufgefüllt werden. Wenn genügend Vermögen vorhanden ist, kann man sich so bei einer Frühpensionierung die gleichen Leistungen „erkaufen“ wie für die ordentliche Pensionierung. Der Einkaufsbetrag kann zudem vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden. Dies bringt eine willkommene Steuerersparnis. Der Einkauf hat aber auch seine Tücken: Nach einem Einkauf ist während drei Jahren kein Kapitalbezug mehr möglich. Der Einkauf in die frühzeitige Pensionierung sollte aber nur ausgeschöpft werden, wenn die Pension auch wirklich früher angetreten wird. Wenn jemand trotzdem weiterarbeitet, verfällt das zu viel einbezahlte Kapital in der Regel zugunsten der Pensionskasse.

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Adrian Simmen
Leiter Finanz- und Vorsorgeplanung bei BLKB
Adrian Simmen ist Leiter Finanz- und Vorsorgeplanung und Referent bei den BLKB-Vorsorgeforen. Seit vielen Jahren begleitet er Kundinnen und Kunden auf dem Weg in die Pensionierung. Seine Artikel kommen aus den Bereichen Vorsorge, Pensionierung und Steuern.

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