Anpfiff für die zweite Jahreshälfte

0
4
3

Die erste Halbzeit des Anlagejahrs 2017 ist abgepfiffen. Für viele Investoren ist der Abschluss der ersten Jahreshälfte ein Anlass, ihr Portfolio zu analysieren und die Aufstellung für die zweite Halbzeit zu hinterfragen. Die Ausgangslage in der Schweiz bleibt anspruchsvoll: tiefe Zinsen, der starke Franken und nur wenig valable Anlagealternativen. Was ist die richtige Taktik für Anleger, die ihr Geld in der Schweiz investieren?

Erfolgreiche Sturmspitze

Der Sturmlauf von Aktien war im ersten Halbjahr kaum zu bremsen. Der Swiss Performance Index preschte mit einer Wertentwicklung von rund 13% vor. Doch wie es sich für einen guten Stürmer gehört, steigt der Preis mit der Performance. Der Schweizer Aktienmarkt ist mittlerweile sportlich bewertet, die Erwartungen sind hoch und schüren erhöhtes Enttäuschungspotenzial. Im Grossen und Ganzen ist zu erwarten, dass die Schweizer Unternehmen auch in der bevorstehenden Berichtssaison gute Ergebnisse präsentieren können. Dennoch hat die Kursentwicklung der letzten Monate viele positive Nachrichten bereits vorweggenommen. Es ist zu erwarten, dass der Schweizer Aktienmarkt dem Rest der Welt nicht auch in der zweiten Halbzeit enteilen wird und es ein ausgeglicheneres Spiel geben wird.

Stabile Defensive

Auch die Defensive des Schweizer Finanzmarktes hat sich tapfer geschlagen: Mit Obligationen konnte man zwar kein Geld verdienen – der Swiss Bond Index verzeichnete eine Performance von einer schwarzen Null –, doch entgegen den immer wiederkehrenden Befürchtungen einer Zinswende hat man auch kein Geld verloren. Angesichts der anhaltend expansiven Geldpolitik in der Eurozone ist nicht davon auszugehen, dass sich in der Schweiz in den kommenden Monaten eine signifikante Zinserhöhung abzeichnen wird. Entsprechend sollten Schweizer Obligationen weiterhin als stabiles defensives Element in einem Portfolio dienen. Aufgrund der äusserst tiefen Coupons und des inhärenten Zinsrisikos ist dennoch zu empfehlen, auch Alternativen zu klassischen Bondinvestitionen zu berücksichtigen.

Solides Mittelfeld

Als Alternativen drängen sich auch nach der guten Wertentwicklung von über 7% im ersten Halbjahr noch immer Immobilienanlagen auf. Auch diese sind aufgrund der tiefen Zinsen bereits hoch bewertet, mit einer laufenden Rendite von rund 3% bleiben sie jedoch ein zuverlässiger Pfeiler im Mittelfeld und können die Brücke zwischen Defensive und Offensive schlagen. Die hohe Ausschüttung, welche an die Dividendenrendite von Schweizer Aktien herankommt, bleibt ein wichtiges Investitionsargument. Auch hier ist das implizite Risiko von steigenden Zinsen zu berücksichtigen. Doch wie für Obligationen gilt für Immobilien, dass in der Schweiz nicht mit einem raschen Zinsanstieg zu rechnen ist und damit die hohen Immobilienpreise noch eine Weile anhalten dürften.

Angriff ist die beste Verteidigung

Im anspruchsvollen Schweizer Anlageumfeld führt derzeit nichts an einer ausgewogenen Allokation vorbei. Eine diversifizierte Aufstellung ist gerade im Hinblick auf die schwierige Zinssituation wichtig. Alles in allem kann man jedoch sagen, dass Angriff noch immer die beste Verteidigung ist. Trotz der bereits guten Performance bleiben die Chancen und Risiken von Aktienanlagen ausgewogen. Man sollte aufgrund der hohen Bewertung jedoch vermehrt auf die Qualität des Geschäftsmodells achten, welche die nachhaltige Ertragskraft der Unternehmen sichert. Auch bei einer offensiven Aufstellung sollte die Defensive zudem nicht vernachlässigt werden. Aufgrund der bereits hohen Aktienkurse sowie der hohen Erwartungen sind Rückschläge nicht auszuschliessen und die Defensive könnte gefordert werden.

 

Performance seit Jahresbeginn

Performance seit Jahresbeginn

 

 

4
3
Teilen.
Fabienne Erni, CFA
Fabienne Erni ist Finanzanalystin im Investment Center bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

Eine Antwort geben