Technologieaktien im Höhenflug

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Wer Aktien grosser Technologiefirmen wie Amazon, Facebook oder Alphabet im Depot hält, konnte in diesem Jahr bereits satte Kursgewinne verbuchen. Dabei startete der Sektor nach der US-Wahl im November mit hoher Unsicherheit ins neue Jahr. Im Zuge des «Trump Trade» waren eher zyklische Infrastrukturaktien gefragt. Verzögerungen der politischen Agenda in Washington sowie positive Quartalsergebnisse sorgten für ein rasches Comeback von Technologieaktien. Seit Jahresanfang konnte der Technologieindex NASDAQ um 16% zulegen. Anleger stellen sich nun die Frage, ob der richtige Zeitpunkt zur Gewinnrealisierung gekommen ist.

FANG – Traumrenditen dank Internet Boom

Die Outperformance von Technologieaktien, insbesondere der grossen Internettitel Facebook, Amazon, Netflix und Google (FANG) hält seit mehreren Jahren an. Aufgrund einer hohen Gewichtung dieser Aktien im NASDAQ Index konnte dieser seit der Talsohle während der Finanzkrise 2009 eine Wertentwicklung von knapp 400% hinlegen und den breiteren S&P 500 mit rund 260% hinter sich lassen. Die Gründe für diese Entwicklung sind in der rapiden weltweiten Verbreitung des Internets und der Geschwindigkeit von Innovation zu sehen.

Innovationskraft der Branche bleibt hoch

Wer glaubt, der Sektor ruhe sich auf den Erfolgen vergangener Jahre aus, irrt sich. Die neuen Wachstumstreiber heissen Cloud-Computing, Cybersecurity oder Künstliche Intelligenz. Risikokapitalgeber sind nach wie vor bereit, Start-Up-Firmen mit viel Kapital auszustatten. Alles in der Hoffnung, das «Next Big Thing» aufzuspüren. Firmen wie Amazon oder Alphabet sitzen mittlerweile auf Barmittelbeständen, welche für Übernahmen oder Investitionen in Innovation ausgegeben werden. Amazons Kauf des amerikanischen Bio-Supermarkts Whole Foods, Apples Engagement im Bereich des autonomen Fahrens oder Alphabets Investition in Künstliche Intelligenz sind Beispiele für das kontinuierliche Bestreben der Branche nach Wandel.

Keine Anzeichen einer erneuten Blase

Trotz der starken Kursentwicklung von Technologieaktien unterscheidet sich die aktuelle Tech-Hausse deutlich von der Blase im Jahr 2001. Damals beruhten die Kursanstiege vor allem auf Hoffnungen. Die Unternehmen im Sektor waren im Durchschnitt wenig profitabel und gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – zeitweise mit dem Siebzigfachen der Gewinne – hoch bewertet. Der heutige Boom steht auf einem solideren Fundament. Das KGV von 24 ist kaum höher als jenes des breiten Marktes und die Profitabilität ist seit der Tech-Blase deutlich gestiegen.

Für Anleger empfiehlt sich, das Verhältnis von Innovationskraft, Gewinnsteigerungspotenzial und Bewertung von Technologieaktien abzuwägen. Aktuelle Gewinnmitnahmen sind in Anbetracht der Kurssteigerungen legitim. Der langfristige Ausblick bleibt jedoch positiv.

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Daniel Maier
Finanzanalyst bei BLKB
Daniel Maier ist Finanzanalyst im Investment Center bei der BLKB. Er ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien. Sein Schwerpunkt: Nordamerika.

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