Europäische Aktien mit Potenzial

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Das Umfeld für europäische Aktien hat sich in den letzten Monaten deutlich aufgehellt. Nachdem politische Unsicherheiten lange im Vordergrund standen, haben diese in Europa, gemessen am European Economic Policy Uncertainty Composite Index, seit Beginn des Jahres stetig abgenommen. Diese Robustheit ist angesichts des Wahlausgangs in Grossbritannien und möglicher vorgezogener Wahlen im europakritischen Italien erstaunlich. Vielleicht haben Anleger im letzten Jahr immer wieder festgestellt, dass politische Ereignisse sich nur sehr kurzfristig auf die Börsenkurse auswirken und konzentrieren sich stattdessen auf die fundamentalen Daten, die sich zusehends verbessern.

Spielverderber Brexit?

Wie geht es nach den Wahlen in Grossbritannien eigentlich mit dem Brexit weiter? Zunächst ist die Feststellung wichtig, dass beide politischen Lager, also sowohl Labour als auch die Tories, hinter dem Brexit stehen. Es gibt lediglich unterschiedliche Ansichten, wie die Verhandlungen mit der EU geführt werden sollen. Die Frage ist also nur, ob es zu einem «harten» oder «weichen» Brexit kommen wird. Vermutlich wird die Regierung von ihrer harten Haltung zum Brexit abkehren müssen. Ein Soft-Brexit hat entsprechend an Wahrscheinlichkeit gewonnen, was von den Märkten positiv aufgenommen wird.

Trotz allem besteht bezüglich der weiteren Konjunkturentwicklung in Grossbritannien Ungewissheit. Zwar profitiert der Export vom tiefen Pfund, doch nimmt die Inflation aufgrund steigender Preise für Importe zu. Da die Löhne nur moderat ansteigen, ergibt sich für die Konsumenten eine Reallohneinbusse, was sich negativ auf den Privatkonsum auswirken könnte. Das Wachstum dürfte sich deshalb in den kommenden Monaten abschwächen.

Verbesserungen sind nicht mehr zu übersehen

Dagegen sehen die Konjunkturaussichten für die Eurozone deutlich besser aus. Dies wurde von den Anlegern lange Zeit kaum wahrgenommen. Inzwischen sind die Unternehmen und Konsumenten ausgesprochen optimistisch eingestellt. Die harten Daten haben sich im Juni weiter verbessert und bestätigen die positive Stimmung. Dies stellt eine gute Basis für die weitere Konjunkturentwicklung in den kommenden Monaten dar. Das bessere Umfeld haben auch die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF) dazu bewogen, ihre Konjunkturaussichten für die Eurozone nach oben anzupassen.

Risiken nehmen ab

Obwohl die EZB-Sitzung Anfang Juni von der Zinsseite keine Überraschung gebracht hat, haben sich in den Augen der europäischen Zentralbank zwei wesentliche Faktoren verändert. Zum einen beurteilen die Währungshüter die Wachstumsrisiken für den Euroraum als weitgehend ausgeglichen statt wie bisher abwärtsgerichtet und betonen die verbesserten konjunkturellen Rahmenbedingungen. Zum anderen verzichtet die EZB auf den Hinweis auf mögliche weitere Zinssenkungen. Trotz ersten Anhaltspunkten für ein Ende der ultralockeren Geldpolitik warnte Mario Draghi aber vor übertriebenen Erwartungen auf ein schnelles Ende der Niedrigzinsen. Das wirtschaftliche Umfeld für Aktien bleibt damit günstig: bessere Konjunkturaussichten bei anhaltend tiefen Zinsen.

Ein Blick auf die Bewertungen der Aktienmärkte zeigt, dass Europa im Vergleich zu anderen Regionen – insbesondere den USA – das attraktivste Kurspotenzial verspricht. Auch die Dividendenrendite von 3.3%, gemessen am MSCI Europe, ist absolut und vor allem in Anbetracht der tiefen Zinsen attraktiv. In den letzten Monaten konnte eine deutliche Zunahme von Käufen von Aktienfonds aus der Eurozone beobachtet werden. Offenbar wächst die Zuversicht für kontinentaleuropäische Aktien auch bei den Anlegern. Dabei zeigt sich der Markt weiterhin robust und breit abgestützt und absorbiert kleinere Schwankungen innerhalb kürzester Zeit. Das Umfeld ist also nochmals eine Spur risikofreundlicher geworden.

Obwohl sich das wirtschaftliche Umfeld im Euroraum zusehends verbessert, sind die Analysten mit ihren Gewinnprognosen noch zurückhaltend. Man darf also davon ausgehen, dass die Gewinnaussichten in den kommenden Monaten nach oben angepasst werden und so für eine positive Überraschung sorgen werden. Abnehmende Risiken, zunehmende konjunkturelle Zuversicht, eine attraktive Bewertung, eine hohe Dividendenrendite und die Aussichten auf positive Gewinnrevisionen sprechen für den Kauf von Aktien aus dem Euroraum.

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Daniel Bosshard, CEFA
ehemaliger Mitarbeiter bei BLKB
Daniel Bosshard ist ein ehemaliger Mitarbeiter der BLKB. Er leitete den Bereich Research & Investment Solutions.

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