Chemiebranche sucht ihr Heil in Zusammenschlüssen

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In der für die Region Basel so wichtigen Chemiebranche ist weltweit viel in Bewegung. Nachdem vor allem in den Neunzigerjahren die Pharmabereiche von der margenschwächeren Chemie abgespalten wurden, ist die Branche seit dem letzten Jahr wieder in einer starken Konsolidierungsphase. Da allein im ersten Halbjahr 2017 Zusammenschlüsse und Akquisitionen in der Höhe von USD 100 Mrd. bekanntgegeben wurden, hat das Volumen aller weltweit geplanten Transaktionen ein Rekordniveau von rund USD 325 Mrd. erreicht. In der Region reicht das Spektrum von der Übernahme von Syngenta durch ChemChina, über den Kauf von Capsugel durch Lonza bis zu der Fusion von Clariant mit Huntsman. Auch ausserhalb der Schweiz dreht sich das Karussell. Beispiele sind die Industriegasunternehmen Linde und Praxair sowie die Hochzeit der US-Chemiegiganten DuPont und Dow. Etwas widerspenstiger zeigte sich Akzo Nobel. Dessen Management hat sich gegen die Übernahme durch den US-Konkurrenten PPG gewehrt und bleibt vorerst eigenständig.

Die Branche ist unter Druck

Die Zusammenschlüsse werden durch Preisdruck, hohe regulatorische Anforderungen und Innovationsdruck getrieben. Man versucht mit Grösse entgegenzuwirken. Die Finanzingenieure haben das Zepter in der Hand; die Chemiker sind sozusagen in den Hintergrund getreten. Die Branche ist zwar durchaus innovativ, aber grosse margenstarke Neuentwicklungen – eigentliche Blockbuster – wie in vergangenen Jahrzehnten (Nylon, Kevlar etc.) wurden seltener. Längerfristig liegt viel Hoffnung auf der Nanotechnologie, also der Herstellung von Materialien und Substanzen mit Hilfe von Bausteinen im Nanometerbereich (ein milliardstel Meter). Diese können oft mit stark verbesserten Eigenschaften (Festigkeit, Leitfähigkeit etc.) glänzen; für BASF ist dies deshalb einer der zentralen Forschungsbereiche. Auch bei dieser Technologie gilt es, die Risiken und Chancen, insbesondere auf der Umweltseite, fundiert zu prüfen.

Megatrends als Chance

Denn gerade die Chemiebranche kann mit Innovationen Antworten auf Herausforderungen wie Ressourcenknappheit und Klimawandel liefern. Leichtbauweise, Abgas- und Wasserreinigung, Batteriechemikalien, Wärmedämmung, biologische abbaubare Kunststoffe und gesündere Ernährung sind grosse Wachstumsfelder. Ein gutes Beispiel für die Ausrichtung auf diese Megatrends ist die niederländische DSM. Zu deren Produkten gehören unter anderem leichte und resistentere Kunststoffmaterialien für den Automobil- und Luftfahrtsektor, Werkstoffe aus erneuerbaren Ressourcen, Spezialbeschichtungen für Solarmodule sowie Gesundheitsprodukte. Nicht überraschend ist denn auch der Anteil der Forschungsausgaben am Umsatz bei DSM im Branchenvergleich hoch. Dies zeigt einmal mehr: Es führt kein Weg an Innovation vorbei.

 

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Andreas Holzer on Linkedin
Andreas Holzer
Finanzanalyst bei BLKB
Andreas Holzer ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist Spezialist für Nachhaltiges Investieren, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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