Automobilindustrie ist gefordert

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Die Automobilindustrie muss sich einer neuen Realität stellen. Sie sieht sich zwei potenziell grundlegenden Veränderungen gegenüber: Zum einen der Trend hin zu Elektroautos, zum anderen die sich materialisierenden Phantasien vom autonomen Fahren. Sowohl Hersteller wie Zulieferer sind gefordert. Beide Themen verlangen eine starke Innovationskraft und hohe Investitionen. Die angestossenen Entwicklungen werden am Aktienmarkt die Spreu vom Weizen trennen.

Elektromobilität auf dem Vormarsch

Es gibt verschiedenste Prognosen zum Anstieg der Verkaufszahlen von Elektroautos. In den Köpfen der Investoren wird die Tendenz zu Elektroantrieben nicht selten mit dem Erfolg von Tesla gleichgesetzt. Doch auch europäische Hersteller stellen ihre Produktpalette massiv um und investieren kräftig. So beabsichtigt beispielsweise Volkswagen, bis 2025 20 bis 25 Prozent des Gesamtabsatzes mit E-Fahrzeugen zu erzielen und allein die deutsche Autoindustrie investiert in den nächsten drei Jahren geschätzte 40 Mrd. Euro in alternative Antriebe. Vergessen wird oftmals auch die Rolle von China in dieser Entwicklung. Die chinesische Regierung plant, dass das Reich der Mitte im Hinblick auf die E-Mobilität eine führende Rolle einnimmt. Und die Ziele sind bereits sehr konkret: Bis 2030 strebt die Regierung an, dass rund 40% der Autos ohne Verbrennungsmotor verkehren – im Hinblick auf die Anzahl Autos, die sich hierbei implizit berechnen lassen, dürfte dies einen treibenden Faktor darstellen.

Autonomes Fahren als grosse Unbekannte

Neben der Entwicklung im Bereich Elektroauto ist die Thematik „autonomes Fahren“ die zweite grosse Unbekannte für den Sektor. Wann und in welchen Anwendungsbereichen sich das Thema durchsetzen wird ist noch unklar, denn es bleiben viele Fragen wie Sicherheit, Haftung und Kundenakzeptanz unbeantwortet. Klar ist jedoch, dass niemand den Trend verschlafen will. Entsprechend gross ist der Hype. Die Gelder fliessen kräftig –sei es durch Investitionen in Eigenentwicklungen oder durch Zukäufe – und bestätigen die hohe strategische Priorität, die dem autonomen Fahren beigemessen wird. Auch hier zeigt das Beispiel des Volkswagenkonzerns, wie schnell die Industrie zur Adaption gezwungen wird. Der deutsche Autobauer plant eine „zügige Markteinführung“. Ab 2021 sollen vollautonome Fahrzeuge mit selbst entwickelten Systemen lanciert werden. Doch die Konkurrenz droht hier nicht nur aus der Automobilindustrie, auch branchenfremde Unternehmen wie Google drängen in den Markt.

Kosten der Innovation

Für Anleger ist es zentral, die Chancen und Risiken ihrer Investments zu kennen. Im Falle der Automobilindustrie geht es darum, einschätzen zu können, ob und wie schnell ein Unternehmen sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen und davon profitieren kann. Ausschlaggebend dabei sind demnach die Innovationskraft und die Reaktionsgeschwindigkeit. Dagegenzustellen sind die Kosten, welche im Zuge dieser Neuausrichtung auf die Gesellschaft zukommen. So ist es naheliegend, dass Teile der Zulieferindustrie oder IT-Firmen vorderhand schneller und stärker von den aktuellen Trends profitieren können. Sensorentwickler oder Anbieter von Ladeinfrastruktur können beispielsweise bereits jetzt von der steigenden Nachfrage aus den Bereichen autonomes Fahren und E-Mobilität profitieren, wohingegen die Autohersteller selbst zuerst einen enorm hohen Investitionsaufwand auf sich zukommen sehen. Das Beispiel Tesla veranschaulicht diese Problematik. Das US-Unternehmen positioniert sich an vorderster Front, braucht dafür jedoch immense Mittel und die Entwicklungskosten fressen den Ertrag weg.

Profiteure gesucht

Aufgrund der Ungewissheit in Bezug auf die Zeitachse und den Erfolgsfaktor der neuen Entwicklungen ergeben sich vor allem im Herstellerbereich entsprechend hohe Unsicherheiten. Die Profiteure sind woanders zu finden. Es ergibt vorderhand durchaus Sinn, die neusten Entwicklungen auf dem Automobilmarkt wie autonomes Fahren und der Trend hin zu Elektroautos nicht direkt über die Autohersteller abzubilden, sondern über Aktien der Zulieferindustrie oder der Technologiebranche, die umgehend ein Stück vom wachsenden Kuchen abschneiden können. Es gilt auch hier was in diversen Strömungen zuvor galt: Die Gewinner von neuen Trends sind nicht zwingend die bisherigen Marktführer.

 

 

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Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

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