FABI: Begrenzung des Fahrkostenabzuges

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Die Einführung des Bundesgesetzes über die Finanzierung und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (FABI) hat Auswirkungen auf die Steuern. In diesem Artikel beantworten wir häufig gestellte Fragen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Was hat FABI mit dem Pendlerabzug zu tun?

Immer mehr Personen benutzen die Bahn, das Schienennetz stösst an seine Grenzen. Um die Infrastruktur zu erhalten und auszubauen, braucht es mehr finanzielle Mittel. Ein mit der Verfassungsänderung verknüpftes Gesetz sieht vor, dass unselbständig Erwerbende künftig für die berufsbedingten Fahrkosten bei der direkten Bundessteuer maximal 3‘000 Franken vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen können.

Welche Abzugslimiten gelten nun ab wann?

In den Abstimmungsunterlagen wurde darauf hingewiesen, dass von der Begrenzung der Fahrkosten lediglich rund 20% der Steuerpflichtigen betroffen sind. Falls die Kantone nicht ebenfalls Maximalbezüge vorsehen, können die Abzüge bei den kantonalen Steuern wie bisher unbeschränkt geltend gemacht werden. Begrenzungen Region Nordwestschweiz:

  • Bund: CHF 3‘000 ab 1.1.2016
  • Kanton BS: CHF 3‘000 ab 1.1.2016
  • Kanton BL: CHF 6‘000 ab 1.1.2017
  • Kanton AG: CHF 7‘000 ab 1.1.2017
  • Kanton SO: Keine Begrenzung

Grundsätzlich ist die Begrenzung des Pendlerabzuges einfach zu handhaben: Sämtliche Fahrkosten für den Arbeitsweg, sei es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Auto oder dem Motorrad, sind begrenzt. Der Betrag, welcher die geltende Limite übersteigt, kann steuerlich nicht mehr in Abzug gebracht werden. Mit dieser Einfachheit ist es jedoch vorbei, sobald

  1. ein Geschäftsfahrzeug mit privater Nutzung ins Spiel kommt oder
  2. der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Arbeitswegkosten vergütet.

Wie werden die Fahrkosten neu deklariert?

Werden dem Arbeitnehmer die Kosten für den Arbeitsweg vergütet, hatte der Arbeitgeber bisher lediglich das Feld «unentgeltliche Beförderung zwischen Wohn- und Arbeitsort» anzukreuzen. Der Arbeitnehmer konnte keine Kosten für die Fahrten zwischen dem Wohn- und dem Arbeitsort geltend machen. Neu muss der Arbeitgeber die Vergütung auf dem Lohnausweis als «andere Gehaltsnebenleistung» ausweisen. Der Arbeitnehmer kann wiederum die Fahrkosten, begrenzt bis zur Höhe der massgeblichen Limite, in der Steuererklärung als Abzug deklarieren.

Wie wird die private Nutzung des Geschäftsfahrzeugs gehandhabt?

Wenn dem Arbeitnehmer ein Geschäftsfahrzeug zur Verfügung steht, das auch privat kostenlos genutzt werden darf, wird auf dem Lohnausweis wie bisher ein Privatanteil von 9.6% des Kaufpreises exkl. MwSt. als «Privatanteil Geschäftswagen» aufgeführt. Zudem muss der Arbeitgeber auf dem Lohnausweis das Feld «unentgeltliche Beförderung zwischen Wohn- und Arbeitsort» ankreuzen. Nun ist es jedoch so, dass der Privatanteil von 9.6% lediglich die rein privaten Fahrten abdeckt, nicht aber den Arbeitsweg.

Bis und mit Steuerperiode 2015 (Bund) hatte diese Konstellation zur Folge, dass dem Arbeitnehmer keine Naturalleistung aufgerechnet wurde, und er im Gegenzug für den Arbeitsweg auch keine Aufwendungen geltend machen konnte. Die Begrenzung des Fahrkostenabzuges erfordert nun aber eine Korrektur. Der Arbeitgeber übernimmt die privaten Kosten seines Angestellten, da er ihm das Auto für den Arbeitsweg unentgeltlich zur Verfügung stellt. Diese Kostenübernahme muss nicht auf dem Lohnausweis aufgeführt werden, sondern sie ist vom Steuerpflichtigen in eigener Verantwortung in der Steuererklärung zu deklarieren. Die Bewertung dieser Naturalleistung wird, unabhängig vom Kaufpreis des Fahrzeuges, mit 70 Rappen pro Kilometer berechnet. Aufgrund dieser Aufrechnung kann der Steuerpflichtige nun die Fahrtkosten, begrenzt bis zur Höhe der massgeblichen Limite, in der Steuererklärung als Abzug deklarieren.

Wie werden die Kosten für die private Nutzung und die Aussendiensttätigkeit mit dem Geschäftsfahrzeug bestimmt?

Arbeitnehmer mit Aussendiensttätigkeit legen den Weg zwischen dem Wohn- und Arbeitsort in der Regel nicht täglich zurück. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, deklariert der Arbeitgeber unter «Bemerkungen» des Lohnausweises neu den prozentmässigen Anteil Aussendienst. Dies hat zur Folge, dass sich die Aufrechnung des Naturaleinkommens auf diejenigen Tage beschränkt, an welchen der Arbeitsweg auch tatsächlich zurückgelegt wird. Wenn die genaue Ermittlung des Anteils Aussendienst zu einer übermässigen Belastung für den Arbeitgeber führt, können die Tage auch anhand von Pauschalen deklariert werden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier (Beilage zu Mitteilung-002-D-2016-d).

Ein Berechnungsbeispiel aus dem Baselbiet

Eine alleinstehende Person aus Liestal, nennen wir sie Hanna, fährt täglich mit dem Geschäftsfahrzeug 49 Kilometer an ihren Arbeitsplatz nach Aarau. Bisher konnte Hanna aufgrund des Geschäftsfahrzeuges keine Fahrkosten geltend machen und verfügte bei Bund und Staat über ein steuerbares Einkommen von CHF 100‘000. Aufgrund von «FABI» ergeben sich folgende Änderungen:

Staats- und Gemeindesteuer CHF
Steuerbares Einkommen alt 100‘000
Aufrechnung Naturaleinkommen (49 x 2 x 220 x 0.70) 15‘092
Abzug Fahrkosten -6‘000
Steuerbares Einkommen neu 109‘092
Direkte Bundessteuer CHF
Steuerbares Einkommen alt 100‘000
Aufrechnung Naturaleinkommen (49 x 2 x 220 x 0.70) 15‘092
Abzug Fahrkosten   -3‘000
Steuerbares Einkommen neu  112‘092

Für Hanna erhöht sich die Steuerbelastung aufgrund der neuen gesetzlichen Bestimmungen bei der Staats- und Gemeindesteuer um rund 2‘600 Franken, bei der direkten Bundessteuer um rund 1‘000 Franken.

Nützliche Links:

 

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Mathias Mahrer
Leiter Abteilung Steuern bei BLKB
Mathias Mahrer leitet bei der BLKB die Abteilung Steuern. Er und sein Team beraten Kundinnen und Kunden in Steuerfragen. Hier schreibt er Artikel zu aktuellen Geschehen in der Steuerlandschaft.

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