US-Banken mit satten Gewinnsteigerungen

0
2
2

Die US-Banken dominieren traditionell die ersten Wochen der Berichtssaison in den USA. Während europäische Banken sich im Tiefzinsumfeld der EZB schwer tun, verzeichnen US-Banken dank steigender US-Zinsen wieder hohe Gewinne. Doch die Chancen für weitere Kursgewinne bei US Banken dürften aufgrund der hohen Aktienbewertung begrenzt sein. Für Investoren könnte dies ein guter Zeitpunkt sein, europäischen Banken wieder eine Chance zu geben.

Steigende Zinsen sorgen für Rekordgewinne bei US-Banken

Ein Blick auf die Quartalszahlen der grossen US-Banken zeigt ein einheitliches Bild. Die Gewinne konnten im ersten Quartal deutlich gesteigert werden. Die Bank of America erwirtschaftete beispielsweise einen 40% höheren Gewinn und einen 7% höheren Umsatz als im Vorjahr. Für einen wesentlichen Teil des Gewinnsprungs war der Anstieg der US-Zinsen verantwortlich. Zum einen sorgte er für eine höhere Nettozinsspanne und somit zu einem höheren Zinsertrag. Zum anderen – und dieser Effekt zeigte sich im abgelaufenen Quartal besonders stark – nahm die Aktivität beim Zinshandel der Banken deutlich zu. Morgan Stanley konnte den Umsatz in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahr beispielsweise verdoppeln.

In den Büchern lauern Risiken

Trotz des positiven Bildes der Berichtssaison, lohnt sich ein tieferer Blick in die Bücher der US-Institute. Im Zuge der aufkeimenden Hoffnung über eine Deregulierung des US-Finanzmarktes nimmt der Risikoappetit bei den US-Banken deutlich zu. So stieg die Vergabe von Krediten an Privatpersonen mit schlechter Bonität, sogenannten Subprime Krediten, zuletzt deutlich an. Diese hatten 2007 die Immobilienkrise in den USA ausgelöst. Während sich im Jahr 2007 das Problem insbesondere auf Kredite zur Häuserfinanzierung bezog, betreffen die aktuellen Probleme insbesondere Autokredite. Die Folgen sind, dass einige Banken zuletzt deutliche Anstiege an Verletzungen von Kreditvereinbarungen und Ausfallraten auf Autokrediten verzeichnet haben. Das Ausfallniveau stieg sogar auf den Wert von 2007 bis 2008. Die Verbriefungen von Autokrediten führen des Weiteren dazu, dass die Zuordnung des Risikos intransparent und unübersichtlich wird. Zu einem zusätzlichen Problem könnten auch die Ausfallraten bei Studienkrediten werden. Immer weniger junge Amerikaner sind in der Lage, ihren Studienkredit zurückzuzahlen. Das Resultat: Kreditschulden in diesem Bereich habe sich seit 2008 verdoppelt.

Europäische Banken eine attraktive Alternative

Richtet man den Blick auf europäische Banken, hat sich das düstere Bild der letzten Jahre mittlerweile aufgehellt. Im Vergleich zu den US-Banken bewegten sich die Kurse der europäischen Banken seit der Talsohle der Finanzkrise im März 2009 kaum vom Fleck. Die Probleme der europäischen Banken in den vergangenen Jahren waren vielseitig. Einerseits lasteten die niedrigeren Zinsen auf den Gewinnen. Andererseits lag das fundamentale Zahlenwerk, insbesondere die Eigenkapitalrendite und das Aufwand-Ertrag-Verhältnis, deutlich hinter demjenigen von US-Konkurrenten. Auch die Risikotragfähigkeit, gemessen an der Kernkapitalquote, ist bei US-Banken seit mehreren Jahren über dem Niveau europäischer Institute. Demensprechend handeln US-Banken aktuell immer noch zu einem deutlich höheren Kurs-Buchwert-Verhältnis. Doch die Bewertungslücke könnte sich schliessen. Aufgrund einer besseren Wirtschaft wird nun auch in Europa über ein Ende der Nullzinspolitik spekuliert. Zusammen mit dem lancierten Kostensparprogramm bei Kreditinstituten könnte dies zu einer raschen Verbesserung ihres Gewinnprofils führen. Dies sollte dann auch den EU-Banken jenen Schub verleihen, den US-Bankaktien in den letzten Quartalen beflügelte.

Der erste Knoten für europäische Bankaktien scheint nach dem ersten Wahlgang in Frankreich gelöst zu sein. Die rapiden Kursanstiege nach dem Sieg des Europa-Befürworters Macron zeigen, dass auch die politischen Unsicherheiten in Europa die Kurse europäischer Banken belasteten. Mit einem sich verbessernden fundamentalen Bild und schwindenden politischen Risiken scheint der Einstiegszeitpunkt für europäische Banken attraktiv.

2
2
Teilen.
Daniel Maier
Finanzanalyst bei BLKB
Daniel Maier ist ein ehemaliger Mitarbeiter der BLKB. Er war Finanzanalyst im Investment Center.

Eine Antwort geben