Frankreich wählt

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Nach dem Brexit verunsichert der Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen seit Wochen die Anleger. Sah es anfangs nach einem Duell zwischen Le Pen und Macron aus, so haben Fillon und Melenchon in der Zwischenzeit deutlich aufgeholt. Vieles deutet auf einen Vierkampf hin. Dabei ist unklar, ob ein Sieg von Marine Le Pen vom Front National auch automatisch den Frexit, also den Ausstieg Frankreichs aus der EU bedeutet. Als Anleger sollte man sich aber zumindest im Klaren sein, wie sich ein Wahlsieg Le Pens auf die Finanzmärkte auswirken könnte.

Unsicherheit regiert

Ein möglicher Frexit unterscheidet sich in einer Hinsicht ganz wesentlich vom Brexit: Frankreich hat den Euro. Ein Sieg Le Pens könnte die Märkte stark verunsichern. Dies dürfte vor allem den Euro massiv unter Druck setzen und die Renditen von Staatsanleihen aus Frankreich und Peripheriestaaten wie Italien dramatisch steigen lassen. Gleichzeitig dürften deutsche Staatsanleihen und Eidgenossen gesucht sein, was die Renditen in der Schweiz nochmals tiefer notieren lassen dürfte. Der skizzierte Anstieg der Risikoprämien wirkt natürlich auf französische Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien ebenfalls abwertend. Experten sprechen von einem Abwärtspotenzial von bis zu 20% bei einem Wahlsieg Le Pens. Besonders anfällig sind hierbei Finanztitel.

Kein Frexit ohne die französische Regierung

Für einen Frexit bräuchte es jedoch eine Verfassungsänderung. Gemäss Artikel 89 kann aber nur die Regierung und nicht der Präsident allein eine Verfassungsänderung beantragen. Hierfür benötigte Le Pen eine 60%-Mehrheit im Kongress. Der Front National müsste also im Juni bei den Parlamentswahlen 289 Sitze erreichen. Aktuell sind es gerade mal zwei. Im Senat hält der Front National ebenfalls nur zwei der 348 Sitze. Hier wird die Hälfte der Kammer im September neu gewählt. Eine Verfassungsänderung via Referendum, wie 1962 von Charles de Gaulle herbeigeführt, dürfte heute unwahrscheinlich sein. Dass Le Pen den Frexit initiiert, ist also nicht unmöglich, aber eher schwierig.

Kleine Wahrscheinlichkeit – Grosse Auswirkungen

Die Wahrscheinlichkeit, dass es Le Pen in den zweiten Wahlgang schafft, ist hoch. Ob sie zwei Wochen später im zweiten Wahlgang zur Präsidentin gewählt wird, bleibt jedoch offen. Noch letztes Wochenende sprachen keine Umfragen von einem Wahlsieg Le Pens in der zweiten Runde. Doch auch wenn die Wahrscheinlichkeit klein bleibt: Eine Präsidentin Le Pen und ein schwierig umzusetzender Ausstieg Frankreichs aus der EU würden die wirtschaftliche Erholung Europas bremsen und die Probleme Frankreichs verschärfen. Obwohl man politischen Börsen nur eine kurze Dauer nachsagt, so dürfte dies zu anhaltender Ungewissheit und Volatilität führen.

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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