Pensionskassenausweis prüfen: Deshalb lohnt es sich für Jung und Alt

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Immer im Frühling versenden die Pensionskassen die individuellen Vorsorgeausweise. Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist der Pensionskassenausweis ein Buch mit sieben Siegeln. So wandert er meist ungelesen in einen Ordner mit all den anderen Versicherungsunterlagen. Dabei wäre es wichtig, ihn sorgfältig zu studieren. Er enthält viele wichtige Informationen für uns alle.

Pensionskassenausweis prüfenIm Minimum sollte der AHV-Jahreslohn überprüft werden. Dieser muss mit dem vertraglich festgelegten Bruttolohn übereinstimmen. Ist der AHV-Jahreslohn nicht korrekt aufgeführt, müssen Sie dies unbedingt Ihrem Arbeitgeber melden, sonst drohen Leistungseinbussen. Von diesem Lohn wird ein Koordinationsabzug gemacht und führt dann zum versicherten BVG-Jahreslohn. Vom BVG-Jahreslohn werden die jährlichen Sparbeiträge abgeleitet.

In jungen Jahren

Auch für jüngere Arbeitnehmer und Familien enthält der Pensionskassenausweis wichtige Informationen. Sie müssen weniger auf die Altersleistungen schauen: Diese kann bei jüngeren Versicherten niemand zuverlässig voraussagen. Wichtig ist vielmehr, welche Leistungen im Invaliditäts- oder Todesfall zum Tragen kommen. Es lohnt sich zu prüfen, ob das Einkommen auch bei einer Erwerbsunfähigkeit ausreichen würde. Ist dies nicht der Fall, kann individuell eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden. Zudem wichtig zu wissen: Die Leistungen der Pensionskasse bei einer Invalidität kommen oftmals erst nach einer Wartefrist von zwei Jahren zur Auszahlung, gemeinsam mit der IV-Rente aus der 1. Säule. Überprüfen Sie auch die Zeit davor.

Wenn in Ihrem Todesfall Hinterbliebene von den Leistungen leben müssen, dürfen Sie auch die Todesfall-Leistungen nicht ausser Acht lassen. Klären Sie speziell ab, unter welchen Bedingungen die Todesfall-Leistungen zur Auszahlung kommen. Reicht es beispielsweise, wenn Sie verheiratet sind? Oder wird die Leistung nur nach mindestens fünf Ehejahren fällig?

Sie leben im Konkubinat? Viele Pensionskassen kennen heute auch eine Rente an eine Konkubinatspartnerin bzw. einen Konkubinatspartner. Die genauen Bedingungen dazu finden Sie in der Regel nicht auf dem Pensionskassenausweis, sondern im zugehörigen Reglement.

Wichtig ab 50

Spätestens ab dem 50. Altersjahr sollten die Altersleistungen genauer unter die Lupe genommen werden. Ist vielleicht sogar eine frühzeitige Pensionierung möglich? Oder ist es besser, bis zum ordentlichen Pensionsalter weiter zu arbeiten? Verschaffen Sie sich einen Überblick: Mit welchem Einkommen können Sie nach der Pensionierung rechnen? Achtung: die angegebenen Zahlen sind nur Hochrechnungen. Schauen Sie genau nach, mit welchem Zinssatz Ihr Alterskapital hochgerechnet wurde.

Ein weiterer unsicherer Faktor ist der Umwandlungssatz: Im Moment muss man davon ausgehen, dass die Umwandlungssätze bei vielen Pensionskassen nach unten korrigiert werden und somit auch die erwartete Altersrente sinkt. Viele Pensionskassen weisen auch die Renten bei einer frühzeitigen Pensionierung aus. Als Faustregel gilt: Pro Jahr, welches Sie früher in Pension gehen, sinkt die Rente um rund sieben Prozent. Dies aufgrund der kürzeren Ansparphase und dem reduzierten Umwandlungssatz durch die längere Leistungsdauer.

Steuern sparen

Auf dem Pensionskassenausweis finden Sie meistens auch das Einkaufspotenzial. Dies entsteht beispielsweise durch Lohnerhöhungen, Arbeitgeberwechsel oder Anpassungen in der Pensionskasse. Sie haben die Möglichkeit, dieses Potenzial mit freiwilligen Einkäufen auszuschöpfen. Sie erhöhen damit nicht nur die Altersleistungen, sondern erzielen einen unmittelbaren Steuervorteil. Die Einkäufe sind in der Regel vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig.

Besonders interessant sind Einkäufe in den letzten Jahren vor der Pensionierung. Meist ist dann der Lohn und somit auch die Steuerersparnis am höchsten. Eine Beratung durch einen Fachspezialisten bewahrt Sie vor unlieben Überraschungen. Beispielsweise sollte vor dem Einkauf geklärt werden, was mit der Einkaufssumme im Todesfall passiert. Zudem müssen Sie beachten, dass die Einkäufe nur zum steuerlichen Abzug zugelassen werden, wenn das Kapital nicht innerhalb der nächsten drei Jahre wieder als Kapital bezogen wird, zum Beispiel als Kapitalbezug bei der Pensionierung oder als WEF (Wohneigentumsförderungs)-Bezug für einen Hausbau.

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Adrian Simmen
Leiter Finanz- und Vorsorgeplanung bei BLKB
Adrian Simmen ist Leiter Finanz- und Vorsorgeplanung und Referent bei den BLKB-Vorsorgeforen. Seit vielen Jahren begleitet er Kundinnen und Kunden auf dem Weg in die Pensionierung. Seine Artikel kommen aus den Bereichen Vorsorge, Pensionierung und Steuern.

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