Datendiebe stehlen auch Rendite

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Vor dem Hintergrund der globalen Vernetzung nehmen auch die Schäden durch Hacking und Datendiebstahl weiter zu. Die möglichen russischen Hackerangriffe zeigen, dass das Thema auch in der Politik angekommen ist. In Europa wurden zum Beispiel die Server der Europäischen Kommission 2016 insgesamt 110 Mal angegriffen. Natürlich sind auch Unternehmen im Visier der Datendiebe. Zwei Beispiele zeigen die Tragweite: Volkswagen muss pro Woche rund 6000 Angriffe aus dem Internet abwehren. Auch das Internetportal Yahoo gab erst Ende 2016 bekannt, dass 2013 Daten von einer Milliarde Nutzern gestohlen wurden. Das Telekomunternehmen Verizon verhandelt zurzeit mit Yahoo bezüglich einer Übernahme und verkündete prompt, den Kaufpreis überprüfen zu wollen.

Investoren sind nur reaktiv

Es gibt also gute Gründe, dass auch Anleger sich mit dem Thema befassen, zumal fast alle Branchen inzwischen fleissig Daten sammeln. Zu diesen gehören natürlich Internetunternehmen wie Facebook oder Google, deren Geschäftsmodell auf eben dieser Aktivität basiert. Aber auch der Detailhandel, die Finanzindustrie, die sich digitalisierende Autoindustrie und die Gesundheitsindustrie verfügen über immer mehr Kundendaten. Gehören Daten einmal zum Kern des Geschäftsmodells, wird die Datensicherheit zu einem börsenkursrelevanten Faktor.

Cybersecurity im FokusEin ungenügender Schutz vor Cyberattacken kann sehr schnell zu materiellen Verlusten beim Unternehmen führen und den Aktienkurs wesentlich beeinflussen. Der Umgang mit Datenschutz sollte daher fester Bestandteil einer umfassenden Beurteilung eines Unternehmens sein. Hier sind nachhaltige Anleger einen Schritt voraus, denn für sie gehört es bereits zum Standard, dass dieses Thema genauso wie der Klimawandel oder die Korruption systematisch analysiert werden. Zum Thema Datenschutz werden zum Beispiel technische und organisatorische Vorkehrungen im Unternehmen sowie mögliche regulatorische Risiken (siehe Strafen für Google in der EU) beurteilt.

Grosses Bedürfnis nach Schutz

Für Anleger eröffnet diese Entwicklung aber auch weitere Chancen. Eine Vielzahl börsennotierter Unternehmen bieten Lösungen im Bereich Datenschutz an. Das durchschnittliche Umsatzwachstum der Branche in den USA ist zwar nicht mehr so hoch wie 2014 (über 45%), aber der Cybersecurity-Markt soll weiterhin mit über 15% pro Jahr wachsen.

Der Schutz vor Datendiebstahl und -manipulation (mindestens ebenso relevant) wird noch wichtiger, denn im «Internet der Dinge» werden künftig auch Maschinen in der Fabrik und der Kühlschrank zu Hause mit dem Internet verbunden sein. Wenn man also das Problem nicht in den Griff bekommt, sind letztlich auch Nutzen und Akzeptanz einer zunehmend vernetzten Welt gefährdet.

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Andreas Holzer on Linkedin
Andreas Holzer
Finanzanalyst bei BLKB
Andreas Holzer ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist Spezialist für Nachhaltiges Investieren, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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