Klimawandel – mit oder ohne Trump

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Donald Trump hat schon vor seiner Wahl auch klimapolitisch den Tarif durchgegeben: Der Klimawandel fände nicht (oder kaum) statt und Ziel sei der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Erst im April sind die USA dem Abkommen zusammen mit China noch beigetreten und haben sich erstmalig verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen systematisch zu senken. Trump hat nun mehrere Optionen: Er könnte nach erst drei Jahren mit einer Kündigungsfrist von einem Jahr kündigen; das wäre der „korrekteste“ Ausstieg. Parallel könnte er das Engagement der USA in diesen drei Jahren tief halten, was nur wenig Sanktionen zur Folge hätte. Ein eigentliches «Buebetrickli» wäre die Kündigung des UNO Rahmenabkommens zum Klimawandel von 1992, der Basis des Pariser Abkommens. Dies hätte dann zur Folge, dass auch die Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen hinfällig würden. Ob das möglich ist, wird zurzeit geklärt. Unabhängig davon, welche Option Trump schliesslich wählen wird – es sind zweifelsohne schlechte Nachrichten für den Klimaschutz.

China gibt weniger «Gas»

Trump’s Ausstiegsszenarien ergeben jedoch wenig Sinn. Nüchtern betrachtet findet der Klimawandel gemäss den meisten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Messungen leider statt. 15 der 16 heissesten Jahre in den letzten 150 Jahren wurden in diesem Jahrhundert gemessen und die Wahrscheinlichkeit, dass dies ausschliesslich natürliche Ursachen hat, liegt bei lediglich 0.01%. In den USA zeugen die Trockenheit in Kalifornien und die zunehmenden extremen Wetterereignisse vom Wandel.

Vom Mitunterzeichner China kommen ganz andere Signale. Im Gegensatz zu den USA sieht die Regierung den Klimawandel als Bedrohung für das Wirtschaftswachstum. Gegenmassnahmen wurden deshalb deutlich verstärkt. So ist zum Beispiel für 2017 ein Handelssystem für Treibhausgase geplant. Der Anreiz, Emissionen zu senken, wird dadurch über Preise gesteuert – der Königsweg der umweltpolitischen Massnahmen. Die EU betreibt bereits ein ähnliches System, das aber bis jetzt noch nicht wirklich funktioniert.

Hoffnung kommt vielleicht ebenso überraschend von den Kapitalmärkten. So hat zum Beispiel Bill Gates zusammen mit anderen Superreichen einen milliardenschweren Investmentfonds gegründet, der in Unternehmen investiert, welche kosteneffiziente Technologien zur Reduzierung der Erderwärmung entwickeln. Immer mehr Investoren preisen die Konsequenzen des Klimawandels ein. In der Folge entstehen Preissignale, welche die Wahrscheinlichkeit entsprechender politischer Massnahmen widerspiegeln. Einige grosse Investoren haben bereits damit begonnen, ihre Aktien von Ölfirmen, Kohleminen und anderen CO2-intensiven Unternehmen abzustossen.

Der Climexit wäre eine verpasste Chance

Die Vorteile, das Pariser Abkommen umzusetzen und wo nötig zu verbessern, sind vielfältig. Die Reduktion der Treibhausgasemissionen durch eine verbesserte Energieeffizienz und den vermehrten Einsatz erneuerbarer Energien würde einer Fitnesskur für die US-Wirtschaft entsprechen und sie auf die Anforderungen dieses Jahrhunderts vorbereiten. Gerade die US-Wirtschaft ist bekannt für ihre Innovationsfähigkeit und kann mit entsprechenden Produkten und Dienstleistungen im Bereich saubere Technologien und Infrastruktur punkten. Das ist «good Business» wie es Donald Trump eigentlich liebt. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob der Climexit kommt. Anleger sollten die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen auf jeden Fall im Auge behalten.

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Andreas Holzer on Linkedin
Andreas Holzer
Finanzanalyst bei BLKB
Andreas Holzer ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist Spezialist für Nachhaltiges Investieren, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

1 Kommentar

  1. Avatar
    Thomas Brogli am

    Vielen Dank für diesen sehr lesenswerten Beitrag! Er bringt die Angelegenheit Klimawandel emotionslos auf den Punkt. Die damit verbundenen Probleme der globalen Erwärmung, des höheren Katastrophenrisikos bis hin zum aktuellen Schneemangel sind hinlänglich bekannt und wissenschaftlich leider ziemlich abgesichert, und eine Dikussion darüber Verschwendung dringend benötigter (Zeit-)Ressourcen!. Handeln kann darum die einzige Devise für 2017 sein! Zum Beispiel mit einem BLKB Nachhaligkeitsfond à la Bill Gates und Co. !

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