Clinton sorgt für Unsicherheit bei Anlegern

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Am 8. November wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Nach einem ruppig geführten Wahlkampf werden Hillary Clinton die grösseren Siegchancen zugerechnet. Die Unsicherheit über die politische Zukunft der Vereinigten Staaten hat in den letzten Monaten auch zu Verwerfungen an den internationalen Aktienmärkten geführt. Besonders unter Druck geriet dabei die Pharmabranche.

Schlechteste Jahresperformance seit 2008

Aktien aus dem Gesundheitswesen erlebten gemessen an der Jahresperformance des MSCI World Health Care Index das schlechteste Jahr seit 2008. Mit einer negativen Jahresperformance von ca. 7% liegt der Gesundheitssektor deutlich hinter dem Gesamtmarkt (+2.3%) zurück. Ein Teil dieses schlechten Abschneidens ist auf Unsicherheiten im Zusammenhang mit den US-Präsidentschaftswahlen zurückzuführen. Die Ankündigungen der demokratischen Partei im Juni, bei einer Machtergreifung strenger gegen Medikamentenpreiserhöhungen in den USA vorgehen zu wollen, sorgte für Zurückhaltung bei den Pharma-Investoren. Im September stieg dann die Verunsicherung bei den Anlegern weiter an, als sich der US-Pharmariese Mylan für eine 600-prozentige Preisanhebung seiner Adrenalin-Spritze Epipen vor dem US-Senat rechtfertigen musste.

Attraktive Wachstumschancen durch neue Präparate

Das schlechte Abschneiden der Pharmabranche lässt sich dennoch nicht ausschliesslich aus den politischen Unsicherheiten ableiten. Die positiven Kursverläufe der beiden amerikanischen Branchenriesen Johnson & Johnson und Merck stützen diese These. Beide Unternehmen profitieren von ihrer breiten Diversifizierung. Zudem konnte Merck hervorragende klinische Ergebnisse aus der alternativen Krebstherapie (Immuno-Onkologie) erzielen. Nun wittern andere Hersteller ebenfalls Chancen auf Milliardenumsätze aus diesem Bereich.

Neue Kurstreiber würden auch den beiden Schweizer Pharmakonzernen Roche und Novartis gut tun. Beide Unternehmen leiden unter zunehmendem Konkurrenzdruck durch Nachahmerprodukte. Dementsprechend negativ entwickelten sich die Aktienkurse beider Firmen in diesem Jahr. Roche verspricht sich mit dem Wirkstoff Tecentriq einen Teil des Immuno-Onkologie Marktes zu bedienen. Das Mittel, welches bereits zur Behandlung von Blasenkrebs eingesetzt wird, könnte im nächsten Jahr für die Lungenkrebsbehandlung zugelassen werden. Auch der zweite Schweizer Pharmariese Novartis forscht an vielversprechenden neuen Präparaten. Hoffnung macht vor allem das Brustkrebsmittel Ribociclib, welches nächstes Jahr klinisch getestet werden soll. Experten rechnen mit einem Umsatzbeitrag von USD 2 Mrd. in 2020. Am langfristigen Wachstumspotenzial der beiden Basler Pharmariesen sollte auch der Ausgang der US-Wahlen nichts ändern.

Politischer Einfluss vernachlässigbar

Unter Branchenexperten herrscht indes Einigkeit, dass sich die Rahmenbedingungen für die Gesundheitsbranche allgemein auch unter einer neuen politischen Führung nicht dramatisch verschlechtern sollten. Die fehlende Mehrheit im US-Kongress würde die Einführung von Reformen für Clinton zu einem Geduldsspiel werden lassen. Pharmaunternehmen könnten folglich in den nächsten Monaten für Investoren wieder interessanter werden. Für den Sektor sprechen zudem überdurchschnittliche Gewinnzunahmen, hohe Dividendenrenditen und die Aussicht auf die Einführung innovativer Medikamente im Einsatz gegen Krebs, Multiple Sklerose, Alzheimer und andere Krankheiten.

Performance weltweiter Aktienmarkt (blau) und Aktien aus dem Gesundheitssektor (rot)

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Daniel Maier
Finanzanalyst bei BLKB
Daniel Maier ist ein ehemaliger Mitarbeiter der BLKB. Er war Finanzanalyst im Investment Center.

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