Die US-Präsidentschaftswahl verunsichert Anleger

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Wenn am 8. November der 45. Präsident der USA gewählt wird, geht Hillary Clinton als klare Favoritin ins Rennen. Nach zahlreichen Skandalen werden Donald Trump nur geringe Gewinnchancen zugerechnet. Anleger stehen aktuell vor der Frage, welchen Einfluss der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen auf ihre Anlagen haben wird. Oft wird dabei auf eine einfache Formel verwiesen: Bei einer Wahl Clintons sollte der Gesundheitssektor gemieden werden, während ein Sieg Trumps insbesondere der Öl- und Gas-Industrie helfen dürfte. Diese Sichtweise ist jedoch wenig differenziert.

Pharma seit Jahresbeginn unter Druck

Gemessen am MSCI World Health Care Index erlebte die Pharmaindustrie das schlechteste Jahr seit 2008. Mit einem Kursrückgang von 6.7% dotiert der Gesundheitssektor aktuell fast 9 Prozentpunkte schlechter als der MSCI World Index. Diese Entwicklung lässt sich nicht ausschliesslich auf Clintons Pläne zur Gesundheitsreform zurückführen. So haben sich auch Kursabstürze von Biotechnologieaktien nach Börsenturbulenzen im Februar und Juni negativ auf den Index ausgewirkt. Clintons Forderung nach mehr politischem Einfluss bei der Gestaltung der Medikamentenpreise traf insbesondere den US-Branchenriesen Mylan, sorgte in der Folge aber im ganzen Sektor für Unruhe. Einige Pharmaunternehmen trotzen jedoch dem negativen Sentiment. Unter anderem konnten die Aktien der Pharmariesen Johnson & Johnson und Merck seit Jahresbeginn deutlich zulegen. Beide Unternehmen sind breit diversifiziert und haben in den letzten Monaten positive klinische Ergebnisse zu neuen Präparaten geliefert. Die Beispiele zeigen, dass fundamentalen Treibern weiterhin eine hohe Bedeutung zukommt.

Politischer Einfluss gering

Unter Wall-Street-Analysten herrscht indes Einigkeit, dass sich die Rahmenbedingungen von grossen Pharmaunternehmen nach den US-Präsidentschaftswahlen nicht entscheidend verändern sollten. Einschneidende Reformen im US-Gesundheitssystem wären für eine demokratische Präsidentin aufgrund der fehlenden Mehrheit im Kongress schwer umsetzbar. Zudem dürfte die Politik Vorsicht walten lassen, um der Innovationskraft des Sektors nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Auswirkungen für Anleger kaum belegbar

Ein langfristiger Einfluss der US-Präsidentschaftswahlen auf das weltweite Börsengeschehen ist ohnehin kaum belegbar. Einzelne Sektoren, die direkt von den Wahlprogrammen beider Kandidaten profitieren würden, sind lediglich im Bereich des Infrastrukturausbaus anzusiedeln. Die Unsicherheit an den Märkten sollte sich nach dem 8. November deutlich legen.

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Daniel Maier
Finanzanalyst bei BLKB
Daniel Maier ist ein ehemaliger Mitarbeiter der BLKB. Er war Finanzanalyst im Investment Center.

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