Expansion oder Fokussierung

0
4
0

Anlagenotstand ist momentan in aller Munde. Damit ist meist das Unterangebot an attraktiven Investitionsmöglichkeiten für Investoren an den Finanzmärkten im Umfeld von Negativzinsen gemeint. Doch wird oft vergessen, dass sich auch die Unternehmen mit diesem Thema zu befassen haben. Sie sehen sich mit dieser Problematik auf der operativen Ebene konfrontiert. Wie begegnen Firmen dem Umfeld von Kapitalüberfluss, tiefen globalen Wachstumsraten und niedrigen Renditeaussichten?

Wachstum durch Übernahmen

Das fragile Wirtschaftsgefüge stellt Unternehmen vor grosse Herausforderungen. Die globalen Wachstumsraten bleiben moderat. Vor allem in den Industriestaaten fehlen die Wachstumstreiber. Hinzu kommen weltweit anhaltende politische Unsicherheiten. Damit ist dem organischen Wachstum oftmals eine natürliche Grenze gesetzt. Expansion ist demzufolge fast nur über Zukäufe zu erzielen. Der Preis ist jedoch hoch: Die zuletzt beobachteten Übernahmen gingen mit stattlichen Prämien über die Bühne. Als Beispiel bezahlt Bayer für Monsanto eine Prämie von 44% und ChemChina lag mit ihrem Kaufangebot für Syngenta rund 30% höher als der zuvor am Markt gehandelte Wert. Gerade in Zeiten, in denen viel Kapital vorhanden ist und die Finanzierungskosten verschwindend klein sind, lassen sich Unternehmen zu teuren Transaktionen verleiten  – die sich langfristig nicht auszahlen. Die versprochenen Synergieeffekte werden oft nicht erreicht. Zudem kann Grösse auch zu einem Nachteil werden. Je grösser der Konzern, desto höher auch die Komplexität. Eine Steigerung der Rentabilität ist selten die Folge.

Profitabilität im Fokus

Dies liefert gute Argumente für eine fokussierte Unternehmensstrategie. Anstelle des Strebens nach Skaleneffekten durch Zukäufe, kann durch Fokussierung die Produktivität und damit der Wert der Gesellschaft schnell erhöht werden: Die weniger produktiven Geschäftseinheiten werden verkauft und automatisch verbessern sich die operativen Kennzahlen der verbleibenden Unternehmensteile. Das freiwerdende Kapital kann weiterverwendet oder an die Aktionäre zurückgeführt werden. Eine derartige Aufteilung kann sich durchaus auch für die abgespaltene Einheit positiv auswirken. Der Beweis dafür liefern in der Schweiz diverse Beispiele: So sind Givaudan, Syngenta oder Autoneum erfolgreiche Spin-offs, die sich an der Börse ohne die Schirmherrschaft ihrer Muttergesellschaften Roche, Novartis oder Rieter sehr gut schlagen.

Disziplin ist zentral

Ob Expansion oder Fokussierung – zentral für das Gelingen beider Strategien ist die disziplinierte Umsetzung des Managements. Bei Übernahmen darf nicht der Grundsatz gelten «koste es was es wolle». Ein Deal muss sich wirtschaftlich rechnen. Die derzeit tiefen Finanzierungskosten sowie fehlende Wachstumsopportunitäten dürfen nicht dazu verleiten, die Wirtschaftlichkeit in den Hintergrund zu stellen. Es gilt profitables Wachstum anzustreben. Auch im Fall der Fokussierung muss das Management die Disziplin wahren. Die erzielte Profitabilitätssteigerung muss verteidigt und allfällig frei werdendes Kapital sinnvoll genutzt werden.

Aktionäre haben derzeit klare Präferenzen: Die Kursreaktion bei Ankündigungen von Transaktionen zeigt, dass Devestitionen und die nachfolgende Fokussierung auf Kernbereiche momentan mehr dem Gusto der Investoren entsprechen. Teure Akquisitionen werden dagegen von den Anlegern abgestraft und stellen gerade im aktuellen Umfeld ein latentes Risiko für die Aktienkursentwicklung dar. Demgegenüber wird die Fokussierung auf Kernbereiche und Profitabilitätssteigerungen honoriert und eröffnet weiteres Kurspotenzial.

 

 

4
0
Teilen.
Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

Eine Antwort geben