Autoindustrie unter Strom

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Bereits im Sommer 2009 präsentierte BMW den Vorgänger des revolutionären Hybridsportwagens i8. Den meisten Lesern dürfte sein kleinerer Bruder, der i3 wohl besser bekannt sein – davon rollen mittlerweile doch einige über unsere Baselbieter Strassen. BMW war der erste deutsche Hersteller, der sich bewusst und klar zur Elektrifizierung der Automobile bekannte. Viele Finanzanalysten waren damals über das Statement erstaunt, dass sich BMW aus der Formel 1 zurückziehen würde, um die Forschungsgelder in ihre neu aufzubauende i-Sparte fliessen zu lassen. Es hagelte Kritik und Zweifel. Die Aktie wurde von einigen dann auch zum Verkauf empfohlen. Heute sitzen andere Finanzanalysten am Tisch und beurteilen die Situation anders. Die Zeit vergeht schnell.

Elektrifizierung der Automobile in vollem Gang

BMW ist heute nicht mehr allein. Während der US-Automobilhersteller Tesla schon deutlich länger mit Elektroautos unterwegs ist, fangen jetzt auch die deutschen Mitstreiter an, das Thema Elektrifizierung ernsthaft anzugehen: Der angeschlagene VW-Chef Matthias Müller liess erst kürzlich verlauten, man wolle bis 2025 Milliardeninvestitionen in diesem Bereich tätigen. Inwiefern der Abgasskandal bei den Wolfsburgern ein Umdenken provoziert hat, bleibt an dieser Stelle unbeantwortet. Aber auch die Schwaben setzen sich langsam unter Strom: Daimler plant den Aufbau einer Submarke für Elektroautos und die ersten Elektro-Benz werden bald über die Strasse rollen. Kritiker beurteilen diese Entwicklung heute zwar nicht mehr als kurzfristigen Trend ohne Zukunftschancen, nennen jedoch zwei Hauptprobleme, welche zur Erreichung des Marktdurchbruchs gelöst werden müssen: Kosten und Kapazität der Batterien sowie die Lade-Infrastruktur.

Die Batterie machts aus

Batterien machen rund 30 Prozent der Gesamtkosten eines Elektrofahrzeugs aus. Die Herstellungskosten für Batterien sind in den letzten fünf Jahren um rund 70 Prozent gefallen. Mit der rasanten, technologischen Entwicklung im Batteriebereich dürften sich diese Kosten in den kommenden Jahren nochmals dramatisch reduzieren. Tesla-Gründer Elon Musk geht davon aus, dass sich die Kosten für Batteriespeicher von aktuell ca. USD 350/kWh auf USD 100/kWh im Jahr 2020 senken lassen. Im Jahre 2010 notierte dieser Wert noch bei USD 1200/kWh. Diese Entwicklung zeigt beispielhaft, wie schnell Elektrofahrzeuge auch preislich konkurrenzfähig werden können. Dabei ist davon auszugehen, dass die zukünftigen Batterien mit einer höheren Speicherkapazität auch eine grössere Reichweite erzielen werden.

Elektroautos oder Ladestationen – was zuerst?

Je günstiger und besser die Batterien werden, desto mehr Käufer dürften sich für ein Elektrofahrzeug entscheiden. Damit steigt auch die Nachfrage nach Ladestationen. Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass die Versorger noch Mühe bekunden, diese Lade-Infrastruktur auszubauen. Während die Zulassung von Elektrofahrzeugen letztes Jahr um 90 Prozent gewachsen ist, sind gerade mal 5 Prozent mehr Ladestationen in Betrieb genommen worden. Daraus zu schliessen, dass sich das Elektroauto nicht durchsetzen wird, wäre jedoch falsch. Wir erinnern uns: 2007 kam das erste iPhone mit nur wenigen verfügbaren Apps auf den Markt und dennoch war es der Beginn des Siegeszugs der Smartphones.

Visionär investieren bedeutet nachhaltig anlegen

Die Ideen sind visionär und aussichtsreich, aber wann ist der richtige Zeitpunkt für den Einstieg? Die Technologien entwickeln sich heute viel rasanter als vor zehn Jahren, entsprechend dürfte auch die Elektrifizierung der Automobile eher schneller als langsamer voranschreiten. Wollen Anleger zukunftsorientiert anlegen, stellt sich die Frage mehr nach dem Anlagehorizont: Je länger der Anlagehorizont, umso unwichtiger der Einstiegszeitpunkt. Seien Sie visionär und investieren Sie bereits heute in die nachhaltigen Themen von morgen. Die Zeit wird Ihnen recht geben.

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Patrik A. Janovjak, CIIA
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

1 Kommentar

  1. Peter Schneider am

    Ja. Visionär zu sein, heisst oft auch richtig zu leiden. So zeigt der S&P Global Clean Energy Index ($) gegen Ende 2008 ja, wie schnell es nach unten gehen kann. Kann aber sein, dass der Index ein Fehlkonstrukt ist. Bei Tesla kann es auch schnell nach unten gehen, wenn mehr Konkurrenz aufkommt…

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