Das Tiefzinsumfeld hinterlässt seine Spuren

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Der Entscheid der britischen Bevölkerung, sich aus den Armen der EU zu lösen, hat das weltweite Zinsgefüge nochmals ins Rutschen gebracht. Dies macht das Geschäft der Versicherungsgesellschaften, insbesondere jener mit Fokus auf Lebensversicherungen, nochmals eine Spur anspruchsvoller.

Die Luft wird dünner

Versicherungsgesellschaften investieren die eingenommenen Prämien am Kapitalmarkt, allen voran im Obligationenmarkt. Mit den daraus erzielten Erträgen müssen sie unter anderem die Verpflichtungen ihrer Kunden begleichen. So zum Beispiel die versprochenen Garantiezinsen von Lebensversicherungspolicen. Durch die laufenden Prämieneinnahmen entsteht für jede Versicherungsgesellschaft jährlich ein Investitionsbedarf in Milliardenhöhe. Das Angebot von Anlagen, welche die Renditeansprüche erfüllen, ist in den letzten Jahren aufgrund des Zinsumfelds stetig gesunken. Erschwerend hinzu kommen die immer schärferen regulatorischen Kapitalanforderungen, welche den Handlungsspielraum zusätzlich schmälern. Die Umschichtung hin zu neuen innovativen Produkten, wie beispielsweise fondsgebundene Lebensversicherungen, die weniger Kapitalunterlegung verlangen als traditionelle Produkte, sind nur eine Möglichkeit für Versicherungsunternehmen, ihre Margen zu verteidigen.

Alternative Anlagen als Lösung

Ein weiterer Lösungsansatz für den akzentuierten Anlagenotstand ist es, vermehrt Investitionen in alternative Anlageinstrumente zu tätigen. So haben viele Versicherungsgesellschaften, besonders in der Schweiz, über die letzten Jahre bereits ihre Bestände an Immobilien deutlich ausgebaut. Vermehrt lassen sich auch Tendenzen hin zu langfristigen Infrastrukturprojekten, wie beispielsweise die Investition in Windparks, beobachten. Solche Anlagen ermöglichen es den Gesellschaften, dem Druck sinkender Zinsen entgegenzuwirken.

Kurskorrektur eröffnet Opportunitäten

Aufgrund des immer anspruchsvoller werdenden Umfelds ist der Versicherungssektor in diesem Jahr an der Börse stark unter die Räder gekommen. Die Angst vor weiterem Margendruck liess die Investoren Geld aus dem Sektor abziehen. Der europäische Branchenindex liegt rund 20 Prozent unter dem Jahresausgangswert. Es gilt jedoch zu beachten, dass Versicherungen das Umfeld sinkender Zinsen bereits seit Längerem gut zu meistern wissen und ihre Profitabilität und die Zinsmargen grösstenteils verteidigen konnten.

Die starke Kurskorrektur seit Jahresbeginn eröffnet dementsprechend Opportunitäten. Zu den Favoriten gehören Zurich, der mit ihrem neuen CEO hohes Restrukturierungspotenzial zugeschrieben wird, sowie AXA, deren tiefe Bewertung nach einem Kursrutsch von fast 30% eine deutliche Kurserholung erhoffen lässt. Beide Gesellschaften versprechen zusätzlich zu möglichen Kursavancen eine überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite.

 

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Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

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