Energiewende: Fluch und Segen für die Unternehmen

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Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahre 2011 haben viele Staaten den Atomausstieg beschlossen, unter anderen die Schweiz. Atomenergie ist immer noch eine der billigsten Energiequellen. Darum erstaunt es auch nicht, dass sich derzeit weltweit 65 AKWs im Bau befinden und weitere 100 geplant sind. Vor allem Schwellenländer setzten auf Atomstrom, aber auch in Frankreich und Osteuropa sind neue Meiler geplant oder werden bereits gebaut. Von den weltweit 441 aktiven Atomkraftwerken stehen 131 in den EU-Staaten.

Für viele Regierungen waren Gaskraftwerke eine ideale Alternative zur Atomkraft. Sie galten als die perfekte Ergänzung für die witterungsabhängigen erneuerbaren Energien wie Wind und Solar. Die aktuelle Klimadiskussion hat nun aber die fossilen Energiequellen Gas und Kohle in Verruf gebracht. Die Abkehr von Atomstrom und CO2-belasteten Energieträgern hat auch eine Kehrseite: Ein gutes Beispiel ist das stark regulierte Deutschland, wo der Strommarkt in den letzten Jahren aus den Fugen geraten ist. Während Wind- und Solarstrom zu festen Preisen bevorzugt ins Netz eingespeist werden, werden Gas-, Kohle- und Kernkraftwerke zunehmend aus dem Markt gedrängt. Die Auslastung der konventionellen Kraftwerke sinkt entsprechend immer weiter, was zu einem Überlebenskampf für E.ON, RWE und die anderen Betreiber von konventionellen Kraftwerken führt.

Auswirkung auf die Kosten

Während in den Industriestaaten hauptsächlich über einen Ausstieg aus fossilen Energieträgern diskutiert wird, erlebt Kohle in energiehungrigen Schwellenländern eine regelrechte Renaissance – sehr zum Verdruss der Klimaschützer.

«Es ist schon fast zynisch: Wenn sich ein Staat von der Kohle verabschiedet, bleibt mehr für die anderen, so dass diese den Klimakiller noch günstiger erhalten.» (Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung)

Wenn nur ein Drittel der weltweit geplanten Kohlekraftwerke tatsächlich gebaut wird, würden dadurch 113 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich in die Atmosphäre ausgestossen. Damit wäre das globale Kohlenstoffbudget zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels bereits aufgebraucht.

Da der Strompreis aufgrund des zunehmenden Anteils erneuerbarer Energien in den letzten Jahren laufend gestiegen ist, hat dies auch Auswirkungen auf die Kosten der Unternehmen. Wer sich frühzeitig richtig positioniert und seinen Energiebedarf effizienter gestaltet hat, kann heute billiger produzieren und ist gegenüber der Konkurrenz im Vorteil. Somit kann ein ökologisches Thema sehr schnell zu einem wirtschaftlichen Thema werden. Energiehungrige Unternehmen, die nicht schnell genug auf die sich veränderten Rahmenbedingungen reagieren, haben verloren und werden von der Bildfläche verschwinden. Deshalb gehört die Frage der Energieeffizienz in jede umfassende Unternehmensanalyse.

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Daniel Bosshard, CEFA
ehemaliger Mitarbeiter bei BLKB
Daniel Bosshard ist ein ehemaliger Mitarbeiter der BLKB. Er leitete den Bereich Research & Investment Solutions.

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