Weshalb wir noch mehr sparen sollten.

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Altersvorsorge in Zeiten negativer Zinsen.

Wir leben in einer Zeit negativer Zinsen. Hauptgrund dafür ist die expansive Geldpolitik der Zentralbanken. Sparer nehmen dies bei ihren Sparkonten wahr, die im Vergleich zu früher kaum noch einen Zins erzielen. Auch bei den Pensionskassen-Guthaben hat sich die Verzinsung markant verringert. Mit der Einführung des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) 1985 wurde der BVG-Mindestzins in der obligatorischen beruflichen Vorsorge festgelegt. Dieser Zins bestimmt die jährliche Mindestverzinsung des Alterskapitals und verpflichtet die Pensionskassen, die Ersparnisse der Versicherten zum jeweils geltenden Zinssatz zu verzinsen. Die damaligen 4% p.a. sind leider Vergangenheit und liegen seit dem 1.1.2016 bei 1.25%.

Schwierige Ausgangslage

Aus Sicht der Pensionskassen widerspiegelt die tiefe Mindestverzinsung die tiefen Renditen auf dem angelegten Kapital. Im Durchschnitt sind Schweizer Pensionskassen zu etwa 38% in Zinspapiere (vorwiegend Obligationen in Schweizer Franken), 7% in Liquidität, 30% in Aktien, 20% in Immobilien und 5% in alternative Anlagen investiert. Da die Ertragsquelle „Zins“ bei Obligationen- und Cash-Anlagen nicht mehr existent ist, rentieren rund 45% der Pensionskassenvermögen kaum noch, oder in manchen Fällen sogar negativ.

Fehlender Zinseffekt

Für die Erwerbstätigen von heute hat dies zur Folge, dass sie sich mit einem tieferen Alterskapital begnügen müssen. Beginnt das Sparen in der zweiten Säule mit dem 25. Lebensjahr und rechnen wir mit einem Arbeitsleben von 40 Jahren, so ergibt sich bei einer jährlichen Verzinsung von 1.25% und einer monatlichen Einzahlung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge) von z.B. CHF 800 ein Sparvermögen von ca. CHF 498‘000. Würde die Verzinsung 4% betragen, könnte ein fast doppelt so hohes Alterskapital von rund CHF 949‘000 angespart werden. Folglich erleben die Sparer über den fehlenden Zinseffekt eine Vermögens- und Einkommenseinbusse, die zum Zeitpunkt der Pensionierung bemerkbar wird.

Wertentwicklung des Alterskapitals in 40 Jahren bei einer Verzinsung von 1.25% und 4%

Wertentwicklung des Alterskapitals in 40 Jahren bei einer Verzinsung von 1.25% und 4%

Diese zukünftige „Kapitallücke“ kann nur mit freiwilligem Sparen gefüllt werden. Dies wiederum bedeutet, dass die Erwerbstätigen auf Konsum verzichten müssten, um im Alter über mehr Kapital und Sicherheit zu verfügen. Dies sind höchst unerfreuliche Tatsachen. Als kleines Trostpflaster gibt es das steuerbegünstigte Sparen in der Säule 3a, bei welchem je nach Anlagehorizont des Anlegers auch unterschiedliche Aktien- und Fremdwährungsquoten in den Anlageprodukten gewählt werden können.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass aufgrund der tiefen Zinsen zusätzliche Sparanstrengungen der Erwerbstätigen wohl unumgänglich sind. Diese Entwicklung widerspricht der Absicht der meisten Zentralbanken, die Sparer zu mehr Konsum zu animieren, mit dem Ziel die Konjunktur wieder anzukurbeln. Diesen Widerspruch hat auch schon Goethe erkannt: „Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr.“

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Fabrizio Pauletti
ehemaliger Mitarbeiter bei BLKB
Fabrizio Pauletti ist ein ehemaliger Mitarbeiter der BLKB. Er war Leiter Institutionelle Kunden / Key Accounts.

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