Starker Franken und Negativzinsen

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Durch den starken Franken und die Negativzinsen sind nicht nur die Unternehmen, der Kanton und die BLKB betroffen. Betroffen sind wir alle – SIE und ICH. Das Positive vorweg: Einkäufe im Ausland und auch in der Schweiz werden billiger. Das gleiche gilt für Ferien im Ausland.

Auf der anderen Seite sind unsere Arbeitsplätze nicht mehr so sicher, wie sie es in der Vergangenheit waren. Das hängt mit den Herausforderungen der Unternehmen zusammen. Der Druck auf die Löhne nimmt zu (viele Unternehmen überlegen längere Arbeitszeiten oder Lohnplafonierungen oder sogar Kürzungen). Unsere Pensionskassen geraten weiter unter Druck, sie brauchen eine langjährige durchschnittliche Verzinsung von ca. 4% p.a. Unsere Konten bei der Bank werfen kaum noch Zinsen ab. Dafür sind auf der anderen Seite die Hypotheken noch immer sehr günstig, ich sage trügerisch günstig.

BLKB KBZ 2015 - Montag

Welche Fragen sollten wir uns stellen?

In diesem Umfeld müssen wir uns deshalb einige Fragen stellen und eine seriöse Beantwortung frei von Emotionen vornehmen. So müssen wir uns fragen, wie wir unser Geld überhaupt noch sinnvoll anlegen können. Aber fast noch wichtiger ist die Frage: Wie viele Schulden kann und will ich mir heute im Alter noch leisten? Und in einem negativen Zinsumfeld ist die Frage nach einer allfälligen Verwendung von Pensionskassengeldern für den Erwerb einer Immobilie besonders kritisch zu stellen.

Deflation

Wenn auf längere Zeit die Preise fallen, sprechen wir von einer Deflation. Sie hat zur Folge, dass die Schulden nicht durch die Inflation weggefressen, sondern leider relativ grösser werden. Ein Beispiel: Wenn ein Haus einen Wert von einer Million Franken hat und die Hypothek 700’000 Franken beträgt, liegt die Belastung bei 70%. Verliert aber das Haus in einem deflationären Umfeld seinen Wert und liegt sein Preis nur noch bei 900’000 Franken, liegt die Belastung mit der gleichen Hypothek von 700’000 Franken plötzlich bei 78%.

Fazit

Wenn wir uns vor unlieben Überraschungen schützen wollen, macht es darum sehr viel Sinn, wenn wir unsere Schulden kontinuierlich und mit hoher Priorität abbauen. Ich weiss, das heutige Steuerregime fördert das Schuldenmachen, das ist aber im heutigen Umfeld eine Sünde. Es gilt auch zu überlegen, wie weit für den Erwerb von Immobilien Pensionskassengelder eingesetzt werden sollen. Wichtig ist hier aber vor allem eines: Die Politik soll das Schuldenmachen nicht weiter begünstigen. Aus unserer Sicht müssen darum auf der einen Seite der Eigenmietwert und der Steuerabzug für Hypothekarschulden abgeschafft werden. Auf der anderen Seite soll die Amortisation von Schulden begünstigt werden.

Was denken Sie darüber? Sollen Pensionskassengelder für den Erwerb von Liegenschaften auch in Zukunft noch eingesetzt werden können? Und wie kann die Amortisation von Schulden begünstigt werden? Ihre Meinung interessiert mich.

Auszug aus der Rede von Dr. Beat Oberlin anlässlich der Versammlung der Inhaberinnen und Inhaber von BLKB-Zertifikaten am 30. & 31. März 2015.

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Dr. Beat Oberlin
ehemaliger CEO bei BLKB
Dr. Beat Oberlin ist ehemaliger Präsident der Geschäftsleitung der BLKB. Er stand zwölf Jahre erfolgreich an der operativen Spitze der Bank. Unter seiner Führung ist die BLKB kontinuierlich gewachsen und gehört heute zu den sichersten und effizientesten Banken der Schweiz.

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