Mehr Common Sense bitte!

1
1
0

Ich habe einen ganz einfachen Wunsch für das Jahr, das soeben begonnen hat. Und der heisst ganz simpel: Mehr Common Sense bitte!

Entschuldigen Sie bitte, dass ich mitten im Baselbiet meinen Wunsch auf Englisch formuliere. Aber auf Deutsch bräuchte ich dazu zwei Wünsche. Ich wünsche mir nämlich mehr gesunden Menschenverstand und mehr Gemeinsinn.

1. Banken leiden unter Regulatoren

Wir Banken leiden in den letzten Jahren immer mehr unter einem immer dichter werdenden Netz von Regulatoren. Und die allermeisten dieser Regulatoren haben ihren Ursprung darin, dass einzelne Institute oder einzelne Menschen ohne gesunden Menschenverstand und ohne Gemeinsinn, und damit ohne Verantwortung für das Gesamte und die Gesamtheit, gehandelt haben. Zu viele Unternehmen und Individuen haben an sich selbst gedacht, ihren eigenen kurzfristigen Vorteil in den Mittelpunkt gestellt und damit immer wieder grossen Schaden angestellt. Ich denke beispielsweise an die Subprime-Krise oder die Libor-Manipulationen. Ich denke daran, dass mit wenig Eigenkapital (zu) viel riskiert wurde. Ich denke daran, dass unsere Branche Geschäftsmodelle glorifizierte, die auf unversteuerten Geldern beruhten. Und ich denke auch daran, dass die Banken ihre eigentliche Aufgabe zu oft vergessen haben. Und die ist immer noch, das Geld von Privaten und Unternehmen intelligent anzulegen und ihnen die nötigen Kredite zu geben. Unsere Aufgabe ist es nicht, mit riskantem Eigenhandel hohe Gewinne zu erzielen und damit grosse Verluste zu riskieren, für welche schlussendlich noch die Gemeinschaft gerade stehen muss.

Auf einzelne Verfehlungen haben die Regulatoren mit Vorschriften reagiert, die für die ganze Branche gelten – unabhängig vom Geschäftsmodell und der Grösse der einzelnen Institute. Auch hier hat der gesunde Menschenverstand leider kaum eine Chance mehr. Es werden Regeln aufgestellt, die nicht oder zu wenig differenzieren und alles und alle über einen Kamm scheren. Wir müssen immer mehr Ressourcen bereitstellen, um den neuen, technisch perfektionierten Regulierungen, die jedes Detail zu erfassen glauben, gerecht zu werden. Ist dies die Konsequenz, weil der Gesetzgeber nicht daran glaubt, dass die Vorschriften sinngemäss ausgelegt werden, oder spricht er den Verantwortlichen die Verantwortung und die Fähigkeit ab, da sie ohnehin ohne Common Sense handeln? – So ist es für uns beispielsweise ein grosser personeller und finanzieller Aufwand, den US-Behörden nach ihren Regeln darzustellen, dass wir eine lokale Bank sind, die keinerlei Interesse daran hatte und hat, amerikanischen Bürgern bei der Umgehung von Steuervorschriften behilflich zu sein. Dass wir keine Unterlagen in englischer Sprache anzubieten hatten, reicht selbstverständlich nicht aus.

2. Common Sense und Good Governance

Common Sense ist so nebenbei auch eine wichtige Grundlage einer Good Governance, einer seriösen Geschäftsführung!  Und eine gute Governance wiederum ist eine zentrale Voraussetzung für eine gute Reputation. Selbstverständlich ist organisatorisch alles vorzukehren, damit das geltende Regelwerk eingehalten wird. Selbstverständlich muss der Verwaltungsrat so zusammengesetzt sein, dass er fachlich und organisatorisch seiner Aufgabe optimal nachkommen kann. Aber schliesslich sind es wieder der gesunde Menschenverstand und vor allem auch das gegenseitige Vertrauen zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung, die eine gute Governance erst möglich machen. Wo ein Klima der Angst und des Misstrauens herrscht, leidet die Governance. Verschiedene Beispiele haben uns das im letzten Jahr schmerzhaft vor Augen geführt.

3. Verantwortung tragen

Verantwortung tragen – das wird ja von einer Geschäftsführung zu Recht als eine Kernaufgabe verlangt – hat mit Vertrauen, mit Ehrlichkeit, mit Offenheit und mit Gradlinigkeit zu tun. Neben Fachwissen und Führungstalent braucht es eben auch diese „Softfaktoren“. Diese können nicht durch eine detailversessene Überregulierung kompensiert werden. Hier sollten wir uns wahrnehmbar vom angelsächsischen (Rechts-)Verständnis unterscheiden. Ebenso ist die Mentalität des raschen Köpferollens zu verurteilen. Es hilft auch nicht, wenn wir bei Fehlern sofort den Rücktritt eines Verantwortungsträgers fordern und ihn aus der Verantwortung nehmen. Fehler gehören dazu. Nur papierene Konzepte sind makellos, erzeugen aber auch keine Wirkung. Führungsverantwortung heisst auch unangenehme Situationen aushalten, auch wenn die Masse mit und durch die Kommunikationskanäle Satisfaktion empfindet, wenn Köpfe rollen. Ich bitte deshalb die Politiker unter Ihnen, auch unter erschwerten Bedingungen die Verantwortung zu tragen, das vom Volk erhaltene Mandat zu erfüllen und nicht den „Bettel hinzuschmeissen“, wenn es einmal ungemütlich wird. Wir destabilisieren sonst unser bewährtes System des Gemeinwesens und die Wirtschaft, und das können wir uns für eine gute Entwicklung unseres Staates nicht leisten. Verstehen Sie mich ja nicht falsch, ich verteidige nicht selbstgefällige Manager. Ich finde, zukunftsorientierte, einsichtige Führungskräfte verdienen es, dass ihnen Fehler nicht ewig nachgetragen werden. Sie verdienen mehr Vertrauen als Bürokraten, denn diese haben eine Gesellschaft noch nie weitergebracht.

4. BLKB 150 Jahre jung

Ich bin heute echt stolz, als Vertreter der Basellandschaftlichen Kantonalbank hier in Muttenz zu Ihnen sprechen zu dürfen. Wir werden dieses Jahr 150 Jahre alt, und in dieser langen Zeit gab es keinen nennenswerten Skandal. Dafür haben wir über die ganze Zeit eng mit den Menschen und mit den Unternehmen in unserer Region zusammengearbeitet. Wir verstehen uns als ihr Partner in finanziellen Fragen und tun alles, um unseren Auftrag zu erfüllen. Und der heisst: Förderung des Wohlstands in unserer Region. Ich denke, wir sind ein fairer und kompetenter Partner der Unternehmen in unserer Region. Wir leisten unseren Teil zur lokalen Wirtschaftsförderung. Selbstverständlich halten wir dabei die geltenden Regeln ein. Aber ebenso selbstverständlich lassen wir uns vom gesunden Menschenverstand leiten. Ich hoffe, dass Sie das auch im Kontakt mit unseren Mitarbeitenden immer wieder zu spüren bekommen.

5. SwissUpStart Region Basel

Zu unserem 150-Jahre-Jubiläum wollen wir aber noch zusätzlich einen Beitrag für junge und bestandene Unternehmen in der Region leisten. Als Hauptsponsor von SwissUpStart Region Basel fördern wir auf der einen Seite innovative Jungunternehmen und innovative Projekte ganz konkret. Auf der anderen Seite werden intelligente Nachfolgelösungen ausgezeichnet. Es ist mir dabei eine besondere Freude, dass wir hier mit den beiden Partnern Fachhochschule Nordwestschweiz und der Wirtschaftskammer Baselland zusammenarbeiten. Beide leisten auf ihrem Gebiet ihren Beitrag, dass es der Wirtschaft und damit auch den Menschen in unserer Region gut geht. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit SwissUpStart Region Basel einen neuen Innovationsschub in unsere Region bringen und vor allem auch junge Unternehmen ermutigen, vom Baselbiet aus die Welt zu erobern.

apero14_0195

Ich wünsche Ihnen ganz persönlich und Ihren Unternehmen viel Erfolg, Befriedigung und Glück im neuen Jahr. Und: Geben Sie dem gesunden Menschenverstand eine Chance. Er hat sie mehr als verdient.

Diese Rede hielt Dr. Beat Oberlin am 9. Januar 2014 am Neujahrsapéro der Baselbieter Wirtschaftskammer und der BLKB.

1
0
Teilen.
Dr. Beat Oberlin
ehemaliger CEO bei BLKB
Dr. Beat Oberlin ist ehemaliger Präsident der Geschäftsleitung der BLKB. Er stand zwölf Jahre erfolgreich an der operativen Spitze der Bank. Unter seiner Führung ist die BLKB kontinuierlich gewachsen und gehört heute zu den sichersten und effizientesten Banken der Schweiz.

1 Kommentar

  1. Avatar
    Fleig Ingrid am

    Leider spüre ich als Kundin der BLKB seit ich eine neue Kundenberaterin habe nichts mehr vom gesunden Menschenverstand der Mitarbeiter an der Front. Schade, denn die Geschäftsleitung vor allem die Spitze, fühlt sich meiner Meinung nach hoher ethischer Werte verpflichtet was man leider vom Frontpersonal nicht sagen kann.

    0

    0

Eine Antwort geben