Geld und Geist

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Geld ohne Geist: Kann das auf die Dauer gut gehen? Herbert Kumbartzki ist Mitglied der Geschäftsleitung und leitet bei der BLKB den Geschäftsbereich Finanzen und Risk Office. Als ausgebildeter Finanzanalyst, Ökonom und Theologe hat er dazu eine klare Meinung.

Das Verhältnis von Geld und Geist ist spannungsvoll, wenn diese beiden überhaupt ein Verhältnis haben. Geld hat in einer Volkswirtschaft klassisch die Funktionen von Tauschmittel, Rechnungseinheit und Wertaufbewahrung. Mit dem Abschied vom Goldstandard hat die letzte Funktion stark an Vertrauen verloren. Inwieweit reines Papiergeld, welches nur durch das Versprechen einer Zentralbank bzw. einer Regierung gedeckt ist, noch Wert hat, wird gerade im Euroraum heftig diskutiert. Trotz allem hat in den letzten Jahrzehnten die Bedeutung des inneren Wertes des Geldes die Ökonomisierung aller Lebensräume vorangetrieben.

Es scheint so, als wenn der Mensch nur noch über seine Kaufkraft definiert wird. «Ich denke, also bin ich» (Descartes) wurde ersetzt durch: «Ich kaufe, also bin ich». Was früher die Religionszugehörigkeit war, ist heute die Gemeinschaft der Marke. Der klerikale Raum der Vergangenheit wurde ersetzt durch das Shoppingcenter, welches durch die neuen Hohepriester des Marketings glorifiziert wird. Gleichzeitig gewinnt das Thema Geist, salopp mit Ethik und Anstand gleichgesetzt, wieder an Bedeutung. Die Compliance-Abteilungen der Banken wachsen, da nun alles anständiger werden soll. Wirtschaftsethik wird zum Anlagethema und der Verein der ehrbaren Kaufleute in Hamburg findet immer mehr Zustrom.

Für die liberalen Denker der österreichischen Schule der Nationalökonomie wie Hayek und Ludwig von Mise gehörte die Ethik zu den Grundpfeilern einer liberalen Politik. Ob die ethischen Grundwerte auf dem Hintergrund einer Pflichtenethik die Menschenwürde in den Mittelpunkt stellen (Kant), die Mündigkeit voraussetzen (Popper), die Fairness betonen (Rawls) oder von der Toleranz leben (Lessing), eine menschliche Gemeinschaft braucht ein gemeinsames Wertefundament, um sinnvoll gemeinsam leben zu können. In diesem Sinne führt die Einstellung «Ich kaufe, also bin ich» schnurstracks in den ethischen Abgrund. Und trotzdem: Ohne Geld (oder eine andere Form desselbigen) geht es nicht.

Die Banken, die ihr Geld mit Geld verdienen, müssen Diener der Realwirtschaft sein oder wieder werden. Die Umwandlung von Spargeldern in Investitionen gehört zu ihrer Kernkompetenz. Durch die Investitionen kann Neues geschaffen werden und können Bedürfnisse der Gesellschaft gedeckt werden. Es ist die Verantwortung der Banken, dieses Schmiermittel zwischen Sparern und Investoren in Gang zu halten. In diesem Sinne gehören Geld und Geist zusammen, damit gemeinsames Leben sinnvoll gestaltet werden kann.

Und was denken Sie? Ich bin gespannt auf Ihren Kommentar.

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Herbert Kumbartzki
Mitglied der Geschäftsleitung bei BLKB
Herbert Kumbartzki ist seit 2010 Mitglied der BLKB-Geschäftsleitung. Er leitet den Geschäftsbereich Finanz- & Riskmanagement.

9 Kommentare

  1. Sehr interessant, dass ein Vertreter der BLKB sich in diese Richtung Gedanken macht. Es geht aber nicht nur um den Konsum, sondern um den Umgang mit Geld überhaupt. Das Wirtschaftssystem ist vom Menschen geschaffen, es sind unsere Haltungen und Werte, die zur Schaffung eines System führen. Es gibt kein absolutes, sich selbst regulierendes System. Dahinter stehen immer wir Menschen mit unseren Gedanken und eben, wie sie etwas zögerlich antönen, mit unseren geistigen Möglichkeiten, die gesellschaftliche und finanziellen Verhältnisse zu gestalten.

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  2. Kann mich da nur anschliessen: Toller Artikel. Natürlich macht es Sinn, wenn lokal Geld gespart wird und dieses Geld der (lokalen) Realwirtschaft wieder zur Verfügung gestellt wird. Da kann man nichts dagegen haben und dies macht Sinn. Keine Frage.

    Nur: Nehmen wir mal an, Otto-Normalverbraucher hat CHF 20’000.– auf dem Sparkonto. Dieses Geld wird dank der BLKB zu einer Investition durch die Vergabe eines Kredits an eine geistreiche KMU. Keine Ahnung wie die Marge ist, aber bei 1 % würde die BLKB lausige CHF 200.– einstreichen. Hat aber ziemlich viel Aufwand mit Kundenpflege, Risikoprüfung, IT, usw.

    Da könnte ich mir vorstellen, dass die Bank ein Interesse hat an ganz anderen Geschäften schliesslich will man einen guten Lohn verdienen: Zum Beispiel an Private Banking für reiche Personen, Fondsverkäufen, usw. usf.

    Aber wie geschrieben: Lokales Spargeld auch lokalen KMU zur Verfügung stellen, macht sehr viel Sinn. Und ist wahrscheinlich auch die Existenzberechtigung einer Bank mit Staatsgarantie.

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  3. Mathias Forster am

    Es stimmt leise zuversichtlich, dass solche Töne nun auch langsam aus der Bankenecke kommen…
    Solange jedoch die Zinseszinsthematik nicht angegangen wird, wird unser System immer krank bleiben. Schöpfung aus dem Nichts funktioniert im Geldwesen nunmal nicht.
    Ebenso wäre dem „warmen“, von Herzen kommenden Schenkgeld die Rolle zuzuweisen, die ihm zusteht.
    – Menschen und Initiativen frei zur Verfügung zu stehen, um Neues und Innovatives auszuprobieren und irgendwann von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz zu werden. –
    Da dies heute zu wenig geschieht, werden Gelder in Milliardenhöhe in Blasen vernichtet. Was man dann vielleicht etwas ironisch „unfreiwilliges Schenkgeld“ nennen könnte.
    Jedenfalls ist es sehr zu wünschen, dass diese Diskussion auf breiter Ebene geführt und dann, hoffentlich, auch zu konkreten Veränderungen führt.

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  4. Marcel Baumann am

    Das Thema ‚fair-trade‘ beginnt langsam in den Köpfen einiger bewusst konsumierenden Menschen zu gedeihen. Die meisten Konsumenten haben aber noch nicht begriffen, dass ihre Macht sehr gross ist. Ich stelle als Arbeitnehmer hohe Ansprüche an meinen Arbeitgeber im Bereich soziale Leistungen, Arbeitszeit, Ferien. Als Konsument unterstütze ich aber Arbeitgeber, welche ihre Mitarbeiter ausnützen. Wenn ich als Konsument die Chance hätte, nicht nur den Preis zu sehen, sondern auch eine Information über die Sozialverträglichkeit eines Produkts, dann könnte ich helfen, dass andere Länder auch ein Interesse entwickeln, soziale Standards nach europäischem Vorbild einzuführen.
    Ausserdem fänden die Produkte, welche hier produziert werden, wieder mehr Konsumenten…

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  5. Wundrak Dieter am

    Ich möchte nur den Begriff Ethik hier zur Diskussion stellen. Was versteht man eigentlich unter Ethik, das ist doch die Frage, die uns jeder anders beantwortet. Und so sage ich jetzt einfach dies, was ich darunter verstehe. Ein ganz wenig gerecht muss es dazu kommen. Wie? Ja das müssen wir alle mit dem eigenen Gewissen vertreten. Ich gebe nur dieses Beispiel. Wenn ein Katholik, ich bin z.B. auch einer, so mit Fr. 40 Mio Franken pro Jahr nach Hause geht, dann sagt, dass dies wegen seiner Leistung ist, dann ist das für mich nicht Ethik. Wenn schon, dann verdient er sich es doch nur, weil viele andere auch so gut sind, dass es möglich ist. Das sollte genügen. Wer mich verstehen will, der versteht mich. Schöne Weihnachten, so sage ich für alle, die auf dieser Welt leben so wie ich.

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  6. Herr Herbert Kumbartzki

    Bringt es eigentlich auf den Punkt Geld ist ein unverzichtbares Hilfsmittel ein Leistungsverrechnungsmedium in unserer sehr Arbeitsteiligen Realwirtschaft.
    Somit ist Geld als solches weder gut noch schlecht sondern ganz profan ein Ausweis für eine erbrachte Leistung die uns zum Bezug einer entsprechenden Leistung Berechtigt.
    Präzisierung.
    Mit unserer Arbeit leisten wir einen Beitrag an die Brotto Verfügbare Konsummasse, aus der wir nach freiem Ermessen einen entsprechenden Anteil Konsum aus der Bruto verfügbaren Gesamtmasse eintauschen können.
    Wir alle Denken längst im Übermass in Geldeinheiten anstatt in Realleistungseinheiten. Die letzten vor allem 30 Jahre haben uns bis zum Exzess vom Realleistungsdenken regelrecht entwöhnt.
    Dies als Volge der exzesiv übertriebenen Monetaristischen Wirtschaftslehre an den Hochschulen.
    Die Simplelthese lautete und lautet das Wirtschaftsgeschehen reguliert sich von selbst vorausgesetzt die Wirtschaft wird mit genügend Liquidität versorgt. Ein Fataler Irrglaube mit verheerenden Volgen.
    Volge eines nicht oder oberflächlich gelesenen Adam Smith ,,Der Wohlstand der Nationen,,.
    Stichwort: Schigago Boys.
    Der Grosse Denker der Liberalen Aufklärung, Adam Smith dreht sich entsetzt in seinem Grabe.Dessen Werk wurde als Lehrbuch Missbraucht.
    In Wahrheit ist der ,,Wohlstand der Nationen,,eine sehr umfassende Studie zum Thema Ökonomie. Eine Weiterentwicklung dieses herausragenden Werkes haben die ,,Wirtschaftslehrbeauftragten,,versäumt.
    Eine umfassende Neuorientierung der Wirtschaftswissenschaften ist ein längst überfälliges Gebot unserer Zeit. Die seit Adam Smith erarbeiteten Wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen auch in die Wirtschaftswissenschaften einfliessen. Dies ist faktisch nur mit hilfe aktuellster Rechnertechnologie Möglich.
    Da steht gewaltig viel Arbeit an.
    Idologische Interpretation muss durch solide Wissenschaft ersetzt werden.
    Freundliche Grüsse.
    Nachtrag:
    Der Wohlstand der Nationen ist innzwischen längst in Deutscher Übersetzung erhältlich.
    Übersetzer:
    Horst Recktenwald.

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  7. Wundrak Dieter am

    Kategorie Allgemein habe ich durch gelesen. Ja, alles nicht so einfach, dass man es richtig sieht. Warum? Gesündigt wird heute privat, in der Wirtschaft, in der Politik und auch im Sport. Und wäre ich jetzt ein Apostel, dann würde ich sagen, ich müsste verzweifeln. Warum? Jeder sieht es anders und begründet es auch so. Machen wir es uns einfach. Wie? Gehen wir nacch Spanien. Dort hat es doch Top Mannschaften in der 1. Division. So auch Real Madrid und Barcelona. Und so liest man dann in den Zeitungen, dass man in der 1. Division so über 750 Mio Steuerschulden hat. Mit anderen Worten, so kann man kaufen eine Rinaldo von wer weiss wie viele Millionen, jedoch Geld zu Steuern zahlen hat man keines. Und das Schöne daran, niemand interessiert das. Warum? The game must go on. Sorry, wenn ich jetzt ein wenig aus dem Thema gekommen bin. Trotzdem auch dies ist ein Thema. Eben, so kann man sagen, wenn Leute fun an etwas haben, dann spielt das Versagen überhaupt keine Rolle. Man denke einfach einmal darüber nach. Das genügt schon für heute an so einem regenreichen Tag, den ich den 16. April 2012 nenne.

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  8. Zimmermann Max am

    Eine der hässlichsten Eigenschaften, die einem Menschen eigen sein können ist zweifelsohne die Gier. Sei es in der Politik, im monetären Bereich oder in Gangsterkreisen, allenthalben weiss sie sich durch zu fressen. Könnte es wohl etwas bewirken wenn man Begriffe wie z.B. Reichtum und Macht weltweit grundsätzlich derart neu definieren würde, dass sie Ihren Negativnimbus verlören. Angesichts dieser Menscheit und deren zerrüttetem Verhaltenskodex wohl eine Utopie!

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  9. Mirjam Eisenegger-Thommen am

    Hallo Herbert
    Wie überall gibt es meiner Meinung nach auch im Finanzbereich wieder ein Umdenken. War in den 90ern auch für viele „Normalbürger“ das Geld fast im Überfluss (Optionsgeschäfte/gute Jobs etc.) vorhanden und konnte man sich für sich oder seine Kinder Sachen leisten, die einem die Eltern nicht kaufen konnten, sehe ich einen Trend auf alte Werte. Man geht sparsamer mit dem Geld um, auch wenn man genug hat. Es muss nicht alles im Überfluss vorhanden sein. Es wird auch mal was geflickt. Marken sind nicht mehr so wichtig, vielmehr wird Gutes auch mit Günstigem kombiniert. Den Kindern wird ein guter, nicht verschwenderischer Umgang mit dem Geld gelehrt. Die Verschuldung von Jugendlichen ist stark zurück gegangen.
    UND…. ….die nächste Generation wird es wieder anders machen.
    Klar gibt es immer noch die anderen Leute, aber ich denke, dass sind die Neureichen, die den Umgang mit viel Geld noch nicht gelernt haben.
    Ich beobachte halt nicht mehr das Wirtschaftsgeschehen, sondern das Verhalten der Menschen (Psychologie).
    Ich bin mir auch sicher, dass sich eine Wirtschaft selbst reguliert, jedoch braucht das dann länger als nur 1 bis 2 Jahre.

    Bez. Macht und Gier (welche aus Angst entstehen) wird jeder, der diese Schiene fährt irgend wann fallen. Egal, ob als Angestellter, Staatsoperhaupt o. Ä. Es wird immer mehr Aufstände geben, was man ja sieht, wenn man das Weltgeschehen betrachtet. Diese Aufstände müssen aber von Innen wachsen und dürfen nicht aufgezwungen werden, nur so wird auch garantiert, dass die, die unter der Situation gelitten haben auch stark genug und darauf vorbereitet sind, mit der neuen Situation umzugehen.

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