Investmentbanken müssen abgetrennt werden

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«Too big to fail» ist heute in aller Leute Munde. Die Regulatoren erlassen Regeln, um in einem Krisenfall das Zusammenbrechen einer der beiden Schweizer Grossbanken zu verhindern. Dabei hat die jüngste Vergangenheit gezeigt: Die grösste Gefahr für unsere beiden Grossbanken geht vom Investmentbanking aus. Hier wurden die grossen Risiken gefahren, die grössten Verluste erlitten und die höchsten Boni ausbezahlt. Ich bin daher klar der Meinung: Das Investmentbanking muss organisatorisch vollständig von der übrigen Bank getrennt werden.
Die One-Bank-Strategie mit der Integration des Investmentbankings ist aus meiner Sicht kein Erfolgsmodell. Das Investmentbanking stellt ein grosses Risiko dar. Mit den Geldern aus dem erfolgreichen Retailbanking und aus der Vermögensverwaltung wird aktiv spekuliert. Die Misserfolge im Eigenhandel haben signifikant zu einer Schwächung der Grossbanken beigetragen. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Finanzwelt in Schieflage geraten ist. Und sie sind ein wesentlicher Grund dafür, dass die Regulatoren insbesondere die Eigenkapitalvorschriften für die ganze Bankenbranche massiv verschärft haben. Es muss in Zukunft einen klaren Zusammenhang zwischen Handeln und Haftung geben. Es kann nicht sein, dass die Schweizer Universal- und Privatbanken für die negativen Auswirkungen des Investmentbankings geradestehen müssen.
Ich plädiere dafür, dass unterschiedliche Bankentypen mit völlig unterschiedlichen Risiken auch von den Regulatoren unterschiedlich behandelt werden. Dabei ist aus meiner Sicht besonders wesentlich, dass für die Universalbanken ein günstiges Umfeld geschaffen wird. Sie transformieren Spargelder in Investitionen und sind damit für die Unternehmen in unserem Land von zentraler Bedeutung.
Wenn wir für die Unternehmen und damit auch für die Arbeitsplätze in unserem Land gute Bedingungen schaffen wollen, dann müssen wir zwingend gute Bedingungen für die Universalbanken schaffen. Und darum kann es nicht sein, dass die Regeln für die Investmentbanken mit ihren grossen Risiken tel quel auch für andere Bankentypen mit viel geringeren Risiken gelten.
Wir brauchen unsere Grossbanken unbedingt. Sie sind für das Funktionieren unserer Wirtschaft – vor allem auch im internationalen Kontext – von höchster Bedeutung. Und wir brauchen auch Investmentbanken. Aber wir brauchen Grossbanken, die ihre Aufgabe als Universalbanken und Vermögensverwaltungsbanken unabhängig vom Investmentbanking erfüllen können. Damit wird das hohe Risiko, das mit dem Investmentbanking verbunden ist, getrennt vom wichtigen Universalbankengeschäft der Grossbanken. Und damit ist auch das Thema «Too big to fail» vom Tisch. Und damit können die Universalbanken und die Investmentbanken regulatorisch auch getrennt behandelt werden.
PS: Ihre Meinung zum Thema Investmentbanking interessiert mich. Senden Sie mir doch Ihren Kommentar. Vielen Dank.
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Dr. Beat Oberlin
ehemaliger CEO bei BLKB
Dr. Beat Oberlin ist ehemaliger Präsident der Geschäftsleitung der BLKB. Er stand zwölf Jahre erfolgreich an der operativen Spitze der Bank. Unter seiner Führung ist die BLKB kontinuierlich gewachsen und gehört heute zu den sichersten und effizientesten Banken der Schweiz.

10 Kommentare

  1. schmidlin Reto am

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Investmentbanking ja oder nein ist ein Entscheid der jeweiligen Bank. Es waere falsch, den Banken vorzuschreiben welchen Bereich wer haben darf und welchen nicht. Ich denke aber jede Bank sollte zuerst vor Ihrer eigenen Haustuere wischen.
    Daher rate ich der BLKB die Staatsgarantie abzuschaffen. Das ist entgegen jeglichen Unternehmertums. Zudem wurde die kantonale Staatsgarantie mit der AAM und jetzt wieder mit der Beteiligung an der Swissquote missbraucht. Der Buerger des Katons hat kein Interesse fuer nationale Projekte zu haften.

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  2. Guten Tag

    Jaja die Investmentbanken…
    dabei senkt die BLKB kräftig die Zinsen und grüsst den Pendler dafür mit komischer doppelseitiger Werbung im 20min.

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  3. Roman Gattlen am

    i.w.S. das Geschäft moderner Investment Banken. Dazu gehören Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen), Corporate Finance (Unternehmensfinanzierung), Structured Finance (Projektfinanzierung und Asset Backed Securities (ABS), Capital Markets (Emission und Platzierung von Wertpapieren), Sales & Trading (Sekundärhandel am Kapitalmarkt), Asset Management (Kapitalanlage für Kunden) sowie Principal Investment (Eigengeschäft der Investmentbank). I.e.S. ist es das Kerngeschäft der klassischen Investmentbank im angloamerikanischen Raum, das auf die Kapitalaufnahme am Primärmarkt und den …

    das finde ich als Erklärung online was Investmentbanking sein soll!
    Jetzt versuche ich zu verstehen was Herr Oberli meint:
    Auch eine BLKB investiert in lokale Projekte und ist doch so auch eine Investmentbank !?
    Universalbanken wie BLKB müssen doch ihr Geld auch anlegen= investieren können und so Rendite erarbeiten. Müsste man den Begriff Investmentbanking nicht klarer/anders definieren? Also ich verstehe streckenweise nur noch Bahnhof

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    • blkb

      Antwort an Roman Gattlen:

      Investmentbanking, wie ich es in meinem Blog beschreibe, hat zwei Seiten: Auf der einen Seite bieten Investmentbanken internationale Dienstleistungen und Produkte in den Bereichen Handel, Mergers and Acquisitions, Unternehmensfinanzierungen, Projektfinanzierungen an und verschaffen ihren Kunden Zugang zu den Kapitalmärkten. Diese Dienstleistungen sind für internationale Kunden absolut notwendig.

      Auf der anderen Seite betreiben diese Institute Eigenhandel mit global strukturierten Produkten auf diversesten Märkten, um durch Arbitrage und vermeintliche Diversifikationseffekte Überrenditen zu erzielen.

      Investmentbanking beinhaltet heute bei den grossen Instituten beide Seiten. Dabei hat sich in den vergangenen Jahren klar gezeigt, dass der extensive Eigenhandel weder im Interesse der Bank noch im Interesse der Aktionäre ist. Beide mussten Verluste in grösserem Ausmass hinnehmen. Solange das klassische Investmentbanking mit dem Eigenhandel untrennbar verbunden ist, gibt es daher aus meiner Sicht nur eine Lösung: organisatorische Abtrennung des Investmentbankings von der übrigen Bank.

      Dr. Beat Oberlin

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  4. Wundrak Dieter am

    Egal, ob Staatsgarantie oder Investmentbanking. Nur eines ist doch wichtig, dass wir als Menschen oder auch Kunden unser Geld nicht verlieren. Und wenn Verluste so wie im Investmentbanking gemacht wurden, dann junge Leute, nur mit Fachwissen, jedoch nicht mit ein ganz wenig Charakter solche Geschäfte zum Problem für eine ganze Gesellschaft werden lassen, dann gratuliere ich einfach allen, dass sie sich Geadanken darüber machen. Vor allem auch ein Kantonalbank CEO darf dies tun, denn er kennt ja wahrlich die Gefahren von solchen Spekulationen. Und ich bin für die Staatsgarantie, vor allem bei Kantonalbanken. Und warum? So hat der Bürger wenigstens dort noch die Chance, dass die Kantonalbank nicht alles machen kann und man trotzdem Geld in einer gewissen Art sicher hat. Gut, auch bei Kantonalbanken haben wir schon lernen müssen, dass nicht alles Gold ist was glänzt. So vor 20 Jahren, wo doch einige Kantonalbanken von der Bildfläche verschwanden.

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  5. Das AAA der Basellandschaftlichen Kantonalbank besteht dank der Haftung durch den Kanton. Dies ist eine Verzehrung des Wettbewerbs gegenüber anderen Banken. Würde diese Garantie nicht bestehen, bräuchte die BLKB wohl ebenfalls mehr Eigenkapital… Sie schreiben, dass ganz anderes Risiko gefahren wird bei den Universalbanken. Schön: Und wie haben Sie dies genau berechnet? Die Geschichte von anderen Kantonalbanken (VD, JU, SO, GE,…) zeigt auf jeden Fall, dass auch Universalbanken massiv in Probleme kommen können. Deshalb: Mehr Eigenkapital ist eine gute Sache. Schliesslich verlangen die Banken u.a. auch 20 % Eigenkapital, wenn eine Privatperson eine Hypothek will. Oder sollten es zumindest.

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    • BLKB

      Antwort an Philip Morris:

      Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) hat ohne Staatsgarantie ein Rating von AA-. Damit gehört sie in punkto Sicherheit zu den Top Ten der 100 grössten europäischen Banken. Nur ganze sechs Banken sind höher bewertet. Im Bericht von 2010 bezeichnet die Ratingagentur Standard & Poor’s die BLKB als „eines der best kapitalisierten Finanzinstitute weltweit“. Ihr Eigenkapitaldeckungsgrad lag Ende 2010 bei 209,4% ohne Kantonalbankenrabatt. Diese Ratings und Zahlen sind ein deutlicher Beleg dafür, dass die BLKB hervorragend positioniert ist. Mit der Haftung des Kantons haben sie nichts zu tun!

      Dr. Beat Oberlin

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  6. Die One-Bank-Strategie mit der Integration des Investmentbankings ist aus meiner Sicht kein Erfolgsmodell.

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  7. …ich kann die Argumentation von MORRIS nur verstehen und unterstützen.
    Wenn die BLKB so eine hohe Eigenkapitaldeckung aufweist ist dies ja auch hervorragend, aber es gibt genug Banken und Banquiers die sich gegen eine höhere Eigenkapitaldeckung wehren. –> Es gibt genügend Banken, die Ihre eigenen Vorgaben zur Kreditvergabe bei weitem nicht erreichen und somit keinen Kredit erhalten würden. (…hier wird mit verschiedenen Massstäben gerechnet!)
    Die Banken, die die Finanzkriese ausgelöst haben und „hops gegangen sind“ hatten übrigens durchgehend gute Bewertungen bei den verschiedensten Bewertungs-Agenturen und bei der (staatlichen) Bankaufsicht, wobei die verantwortlichen Leute der damalig „schuldigen“ Banken heute in der (staatlichen) Bankaufsicht arbeiten und keiner dieser Damen und Herren „gesiebte“ Luft genossen hat.
    –> Das Kontrollsystem funktioniert eigentlich nicht und es müssen schärfere Regeln her!
    …ich selber vertrete folgende Meinung: Wer als Privatperson ein Haus mit Schulden und übriges Geld bei der Bank hat soll sin Haus (teilweise) abbezahlen und einen Bruchteil des dadurch gesparten Hypozinses für die etwas höheren Steuern brauchen. Im Endeffekt hat er mehr und die (Investment-)Bank kann weniger „kapputt“ machen.
    Grüsse aus Himmelried

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  8. Der Artikel ist wirklich toll. Das Thema hat mich schon länger interessiert und ich
    konnte hier noch einiges ergänzendes finden. Ich kann es kaum erwarten,
    weitere Blogeinträge zu lesen. Danke und Grüße aus Heidelberg Marco Feindler

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